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Deutschlandtakt darf kein Papiertiger bleiben - IG Schienenkorridor Stuttgart-Nürnberg fordert konkrete Baumaßnahmen statt neuer Zukunftskonzepte

Die Interessengemeinschaft Schienenkorridor Stuttgart-Nürnberg (IG) hat bei ihrer Sitzung am 4. Mai in Crailsheim deutliche Erwartungen an Bund, Land und Deutsche Bahn formuliert. Attraktive Fern- und Nahverkehrsangebote sowie die dafür zwingend notwendige Modernisierung der Schieneninfrastruktur müssen künftig als Einheit geplant und umgesetzt werden. Dabei dürfen den täglichen Fahrgästen auf der Murrbahn, Rems- und Oberen Jagstbahn keine Nachteile entstehen.

Klare Kante in Richtung Berlin und Stuttgart
Herzstück der Sitzung war die persönliche Übergabe des gemeinsamen Positionspapiers der Landkreise Rems-Murr-Kreis, Ostalbkreis und Schwäbisch Hall an die DB-Konzernbevollmächtigte für Baden-Württemberg, Dr. Clarissa Freundorfer.
"Wir können nicht fortwährend neue Konzepte und Studien erstellen. Im Kern geht es um die Beseitigung der strukturellen Infrastrukturengpässe und eingleisigen Nadelöhre im unserem Schienenkorridor", stellte IG-Sprecher Landrat Gerhard Bauer (Landkreis Schwäbisch Hall) klar. "Infrastrukturbedarfe aus Analysen von Bund, Land und Bahn dürfen nicht nur auf dem Papier fortgeschrieben werden. Die heutige Betriebsqualität und zukunftsfähige Fahrpläne erfordern schon jetzt eine spürbare Modernisierung und Leistungssteigerung der Eisenbahninfrastruktur. Wir erwarten daher verbindliche Entscheidungen, damit dieser Ausbau in konkreten Bauabschnitten und mit einem klaren Zeit- und Finanzierungsplan umgesetzt wird."
Die Landräte Bauer, Dr. Bläse und Dr. Sigel machen in ihrem Papier unmissverständlich deutlich, dass geplante Haltekürzungen beim MEX 90 in Waiblingen und Winnenden, ein isoliert geplanter ICE-Sprinter ohne tragfähiges Gesamtkonzept sowie strukturelle Engpässe wie eingleisige Streckenabschnitte und fehlende Kreuzungsmöglichkeiten nicht zu den Zielen der Verkehrswende passen. Zudem gefährden diese Defizite massiv die Standortattraktivität sowie die Wirtschaftskraft der gesamten Region.

Positionspapier: Kein Fernverkehrs-Plus zulasten der Region
Das Positionspapier fordert die Rücknahme der geplanten Haltekürzungen beim MEX 90, einen klaren Kapazitätsplan für die Murrbahn sowie eine Attraktivierung der IC-Linie über die Remsbahn und Obere Jagstbahn.
"Wir sagen es deutlich: Wir begrüßen schnelle Fernzüge zwischen Stuttgart und Nürnberg. Wenn jedoch der ICE kommt, müssen die Menschen entlang der beiden Strecken des Schienenkorridors trotzdem zuverlässig zur Arbeit, zur Schule und zur Ausbildung kommen", so Bauer weiter.
Aus dem Rems-Murr-Kreis kam in diesem Zusammenhang ein dringender Appell. Anstatt die Region mit weiteren Halteausfällen in Waiblingen und Winnenden, reduzierten Sitzplatzkapazitäten und längeren Standzeiten zu belasten, müssen für die Menschen, die lokal und regional nachhaltig mit der Bahn unterwegs sind, bereits zum bevorstehenden Fahrplanwechsel im Dezember 2026 spürbare Verbesserungen erreicht werden. "Gerade deshalb braucht es aus Sicht des Kreises mehr Verlässlichkeit, mehr Kapazität und einen konsequenten Ausbau der Infrastruktur – aber keine weiteren Hiobsbotschaften für die ohnehin gebeutelte Murrbahn", so der Landrat Dr. Richard Sigel (Rems-Murr-Kreis).
Die IG fordert deshalb von DB, Bund und Land ein integriertes Angebots- und Infrastrukturkonzept für beide Achsen des Korridors und schließt Angebotsausweitungen auf Kosten eines leistungsfähigen Regionalverkehrs ausdrücklich aus.

Landräte: Deutschlandtakt braucht Beton, nicht nur schöne Fahrpläne
Der Bund hat in einem Schreiben an das Verkehrsministerium Baden-Württemberg bestätigt, dass im Entwurf des fortgeschriebenen Deutschlandtakts beschleunigte Fernverkehrslinien im Zweistundentakt auf der Murrbahn und Remsbahn vorgesehen sind. Zwischen Nürnberg und Stuttgart ist demnach ein stündlicher Takt durch die Überlagerung zweier Linien geplant.
"Wenn der Bund unseren Korridor im Deutschlandtakt einplant, dann erwarten wir im Gegenzug die zügige Bewertung, Finanzierung und Umsetzung der dafür nötigen Infrastrukturmaßnahmen. Ein Deutschlandtakt ohne tatsächlichen Ausbau der Schieneninfrastruktur bleibt ein Papiertiger", kritisierte Bauer.
Der stellvertretende IG-Sprecher Landrat Dr. Joachim Bläse (Ostalbkreis) verwies zugleich auf die ergänzende SPNV-Studie für den Ostalbkreis. Diese benennt GVFG-fähige Projekte wie neue Haltepunkte in Hussenhofen und Essingen sowie den Ausbau der Kreuzungsbahnhöfe Ellwangen und Jagstzell. "Mit den nötigen Investitionen machen wir den Schienenkorridor robuster und gewinnen zusätzliche Fahrgäste. Genau solche Projekte brauchen jetzt grünes Licht von Land und Bund“, ergänzte Bläse.

Nächste Schritte: Interessengemeinschaft erhöht den Druck
Um den Prozess weiter voranzutreiben, wird die IG-Geschäftsstelle beim Regionalverband Ostwürttemberg eine formelle Anfrage an das Bundesministerium für Verkehr richten. Ziel ist es, die bedarfsplanrelevanten Infrastrukturänderungen vor Ort schrittweise in die Umsetzung zu bringen.
Parallel dazu strebt die IG die zeitnahe Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe an. In dieser sollen Vertreter der Deutschen Bahn, des baden-württembergischen Verkehrsministeriums, der NVBW und Fachexperten der Interessengemeinschaft einen konkreten Fahr- und Finanzierungsplan für die prioritären Maßnahmen auf der Murrbahn sowie der Remsbahn und Oberen Jagstbahn erarbeiten.
"Unsere Botschaft aus Crailsheim ist eindeutig: Der Schienenkorridor Stuttgart-Nürnberg ist das Rückgrat unserer Region und unserer starken Wirtschaft. Wir werden nicht zulassen, dass er Nadelöhr bleibt", fasste Landrat Bauer den Tenor der Sitzung abschließend zusammen.

(Pressemitteilung der Interessengemeinschaft Schienenkorridor Stuttgart–Nürnberg vom 06.05.2026)