Kulturgeschichte

Der Ostalbkreis hat Anteil an den drei prägenden Großlandschaften des sog. Süddeutschen Schichtstufenlandes. Diese Dreiteilung von Süd nach Nord aufgezählt: Die Schwäbische Alb, das Albvorland mit einem kleinen Anteil am Ries und die Keuperwaldberge bestimmt direkt die Siedlungsentwicklung. Während die ältesten Siedlungen aus der Jungsteinzeit nur im Nördlinger Ries und seinen Randgebieten zu finden sind, werden Albvorland und Schwäbische Alb erst später, seit der Bronzezeit, langsam in eine Kulturlandschaft umgewandelt.

In diesem Siedlungsraum, dessen Grenze im Wesentlichen vom späteren römischen Limes markiert wird, spielt sich die weitere historische Entwicklung ab. Kelten, Römer und Alamannen lösen sich in der Besiedlung des Landes ab und hinterlassen reiche archäologische Spuren:
Hunderte von keltischen Grabhügeln haben sich vorwiegend in den großen Waldgebieten bis heute erhalten. Riesige Wallanlagen zeugen von der Macht einer keltischen Oberschicht, deren vornehmster Vertreter wohl auf dem Ipf bei Bopfingen residierte. In spätkeltischer Zeit sind es die sogenannten Viereckschanzen, die von einer intensiven Besiedlung der Landschaft berichten.
Die Römerzeit bringt dann eine Zweiteilung für das Gebiet des Ostalbkreises: Diagonal durchschneidet der Limes seit der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts das spätere Kreisgebiet. Bewacht von sechs Kastellen markiert die römische Reichsgrenze gleichzeitig auch die Ausdehnung des früheren keltischen Ackerlandes, auf dem sich seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. auch zahlreiche römische Landwirte ansiedeln.

Von der Dauer her bleibt die Zeit der römischen Besetzung allerdings nur ein kurzes Intermezzo. Bereits 260 n. Chr. überrennen die Alamannen den Limes und werfen die Römer auf die Donaugrenze zurück. Die folgenden fast 200 Jahre alamannischer Anwesenheit hinterlassen im Fundbestand kaum Spuren. Erst mit dem Einsetzen der sog. Reihengräbersitte wird für uns die alamannische Besiedlung fassbar, bedeutende Reihengräberfelder wurden u.a. in Lauchheim, Neresheim, Bopfingen, Kirchheim und Pfahlheim ausgegraben.
Erst seit der karolingischen Ausbauzeit des 8. Jahrhunderts werden dann die Landstriche außerhalb des Limes und vor allem die Keuperwaldberge gerodet und unter den Pflug genommen. Wesentlichen Anteil daran hat das damals gegründete Kloster Ellwangen im Virngrund.

Mit dem Aufstieg der Staufer beginnt eine glanzvolle Epoche für die Gegend um Schwäbisch Gmünd und Aalen, die zum Kernbereich der staufischen Macht gehört. In dieser Zeit wurden zahlreiche Städte und Burgen gegründet, wie die als älteste Staufergründung geltende Stadt Schwäbisch Gmünd. Der Untergang des staufischen Geschlechts hinterlässt demzufolge ein Machtvakuum im Kreis, das zu einer, bis zum Ende des alten Reiches geltenden, Besitzzersplitterung führt. Zahlreiche große und kleine geistliche und weltliche Herrschaften sowie die Territorien der freien Reichsstädte Gmünd, Aalen und Bopfingen prägen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das Bild der Gegend. Die bedeutendsten Territorien besitzen die Grafen von Oettingen im Osten und die Fürstpropstei Ellwangen im Norden.

Im Jahr 1803 und endgültig dann mit dem Staatsvertrag mit Bayern aus dem Jahre 1810 entstehen die heutigen politischen Grenzen und das Land um Rems, Kocher, Jagst und Eger wird Bestandteil des Königreichs Württemberg. Neue Verwaltungsstrukturen werden jetzt mit den Oberämtern Aalen, Ellwangen, Gaildorf, Gmünd, Neresheim und Welzheim eingerichtet, die bereits die unmittelbaren Rechtsvorgänger des heutigen Ostalbkreises sind. Die württembergischen Oberämter haben bis zur Kreisreform des Jahres 1938 Bestand. Damals werden die Landkreise Aalen (aus den Oberämtern Aalen, Ellwangen und Neresheim) und Schwäbisch Gmünd (aus dem Oberamt Gmünd und Teilen der Oberämter Aalen, Gaildorf und Welzheim) neu gebildet. Mit der Kreisreform des Jahres 1973 entsteht dann schließlich der heutige Ostalbkreis aus dem Landkreis Aalen und dem größten Teil des Landkreises Schwäbisch Gmünd.

Ebenfalls in württembergischer Zeit werden die Grundlagen für die Industrialisierung gelegt. Zunächst schafft der Eisenbahnbau neue Arbeitsplätze und besonders der alte Eisenerzabbau in Wasseralfingen kommt zu einer ungeahnten Blüte. Für das 19. Jahrhundert gilt der Industriestandort um Wasseralfingen als das "Ruhrgebiet Württembergs" und die Metallindustrie gehört auch heute noch zu den wichtigen Wirtschaftszweigen. Daneben haben vor allem die optische und die Papier- und Textilindustrie eine überragende Bedeutung zusammen mit den vielen mittelständischen Betrieben.

Sehenswürdigkeiten

Genauso reich wie die Geschichte, die in zahlreichen Museen dargestellt wird, sind Ihre unmittelbaren Zeugen, die Boden- und Baudenkmale. Überregionale Bedeutung haben vor allem die Museen: Freilichtmuseum am Rätischen Limes in Rainau; Limesmuseum in Aalen; Besucherbergwerk Tiefer Stollen in Aalen-Wasseralfingen, Alamannenmuseum in Ellwangen. Gleiches gilt für zahlreiche Baudenkmale, u. a. für die romanische Johanniskirche und das gotische Münster in Schwäbisch Gmünd, die barocke Residenzstadt Ellwangen, viele Schlösser (wie die Kapfenburg bei Lauchheim und Schloss Hohenbaldern), Burgen (wie die Ritterburg Niederalfingen) und Ruinen (wie die Burgruine Hohenrechberg) und für eine der schönsten Barockkirchen Europas, für die Abteikirche in Neresheim auf dem Härtsfeld.

Dr. B. Hildebrand M.A.
Kreisarchivar