Forst- und naturschutzrechtlich konformes Vorgehen bei Erschließungsmaßnahmen im Wald

Eine nachhaltige und vorbildliche Bewirtschaftung sowie Pflege des Waldes, dessen Schutz vor Schadereignissen wie auch die Erholung und Freizeitgestaltung der Menschen erfordern eine angemessene und naturschonende Erschließung mit Waldwegen.

Es ist eine der wesentlichen Grundpflichten der Waldbesitzenden im Staats-, Kommunal– und Privatwald, den Wald nach Maßgabe der §§ 14-19 LWaldG pfleglich zu bewirtschaften. Die Waldbesitzenden sind demnach verpflichtet, entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit den Wald ausreichend mit Waldwegen zu erschließen und bei der Anlage von Waldwegen das Landschaftsbild, den Waldboden und den Naturhaushalt zu schonen.


Die zwischen Forst- und Naturschutzverwaltung abgestimmten Hinweise sollen die bestehenden, zum Teil komplexen gesetzlichen Regelungen und Vorgaben präzisieren und verständlich darstellen. Sie befassen sich mit den Bereichen
  • naturschutzrechtliche Eingriffsregelungen
  • Vorgehen in naturschutzrelevanten Gebieten
  • Materialeinsatz beim forstlichen Wegebau.

Naturschutzrechtliche Eingriffsregelung
Forstliche Erschließungsmaßnahmen, die in den Wäldern Baden-Württembergs durchgeführt werden, können einen naturschutzrechtlichen Eingriff in Natur und Landschaft darstellen, wenn sie die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes oder das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen. Liegt ein Eingriff vor, muss dieser kompensiert (ausgeglichen) werden.

Forstliche Erschließungsmaßnahmen werden hinsichtlich ihrer Kompensationspflicht gemäß Bundesnaturschutzgesetz hierbei wie folgt unterschieden:
  1. Der Neu- und Ausbau von Fahrwegen, Ausbau von Maschinenwegen zu Fahrwegen und durchgängig befestigte Maschinenwege stellt grundsätzlich einen erheblichen kompensationspflichtigen Eingriff im Sinne der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung dar.
  2. Die Anlage von Rückegassen, Seiltrassen und nicht befestigte Maschinenwege (Feinerschließungsmaßnahmen) sowie Wegeunterhaltungsmaßnahmen (Wegegrundinstandsetzung und Wegeunterhaltung), die dem aktuellen Stand der Technik gemäß durchgeführt werden, sind Teil der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft bzw. der unmittelbaren Bodennutzung und stellen keinen kompensationspflichtigen Eingriff dar.

Vorgehen in naturschutzrelevanten Gebieten
Bei forstlichen Wegebaumaßnahmen in naturschutzrelevanten Flächen (verordnete Schutzgebiete, Natura 2000-Gebiete, gesetzlich geschützte Biotope und Lebensstätten besonders geschützter Arten nach § 44 BNatschG) sind die Schutzgebietsverordnung sowie die naturschutzrechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen und bei entsprechender Zuständigkeit die zuständige Naturschutz-/ Forstbehörde zu beteiligen.

Materialeinsatz beim forstlichen Wegebau
Grundsätzlich soll bei allen Wegebaumaßnahmen im Wald standorttypisches natürliches Material aus Steinbrüchen (vorliegendes Ausgangsgestein) verwendet werden. Unter bestimmten Bedingungen kann auch produktzertifiziertes Recyclingmaterial und Bodenaushub verwendet werden, das der Qualitätskontrolle unterliegt. Das Recyclingmaterial muss sortiert, gebrochen, gesiebt, klassifiziert und chemisch überwacht werden. Unsortierter, nicht aufbereiteter Bauschutt ist Abfall und seine Verwendung deshalb nicht zulässig.

Bitte wenden Sie sich bei Fragen zum Thema Waldwegebau an Ihren zuständigen Revierförster oder Ihre zuständige Forst-Außenstelle.