Kliniken Ostalb: Neuorganisation bringt erste Ergebnisse

Ausbildungsoffensive, einheitliche Qualitätsstandards und erste konkrete Effekte auf das Betriebsergebnis: Auf seiner Sitzung am Dienstag, 10.07.2018 hat der Verwaltungsrat der Kliniken Ostalb eine positive Zwischenbilanz der Klinikfusion gezogen. Ein drängendes Problem bleibt der Fachkräftemangel, von dem das gesamte Krankenhauswesen betroffen ist.

"Die Entwicklung unserer Kenn- und Geschäftszahlen zeigt, dass wir mit unserer Strategie als Klinikverbund auf dem richtigen Weg sind", sagte Landrat Klaus Pavel. So konnten etwa im zweiten Jahr nach der Fusion durch Zentralisierung im Einkauf bereits Einsparungen in sechsstelliger Höhe erzielt werden. Mittelfristig werden sich im Einkauf erheblich größere Effekte einstellen, wenn auch bei komplexerem medizintechnischem Material, wie z.B. Implantaten, eine Vereinheitlichung umgesetzt ist. "Wir rechnen damit, dass wir durch Synergien und eine Reihe weiterer Maßnahmen schon im nächsten Jahr unsere Verluste deutlich reduzieren und eine Trendwende einleiten können", so Pavel, der aber auch betont "der Restrukturierungskurs wird bis 2021 andauern".

Integration kommt voran
Unterdessen hat die Klinik eine Reihe von organisatorischen Meilensteinen der Integration zu einem leistungsfähigen Verbund umgesetzt. Insbesondere wurden die medizinischen Leistungen komplett neu und standortübergreifend in sog. "Departments" organisiert. Alle Department-Leitungen sind inzwischen besetzt. Der Standort Ellwangen kooperiert zudem seit Jahresbeginn 2018 als Akademisches Lehrkrankenhaus mit der Universitätsmedizin Ulm, so dass jetzt alle drei Klinikstandorte Akademische Lehrkrankenhäuser sind.
Landrat Pavel dankte besonders den Mitarbeitern für ihren Einsatz und ihre Veränderungsbereitschaft bei der Umsetzung der neuen Klinikstruktur. "Wie viele Kliniken in Baden-Württemberg sind wir durch das Krankenhausstrukturgesetz, den Fachkräftemangel und den schärferen Wettbewerb in einer äußerst schwierigen wirtschaftlichen Situation", so Klaus Pavel. "Wenn ich sehe, wie die Mitarbeiter an allen drei Häusern die Fusion umsetzen, dann hat sich hier keine Notgemeinschaft gebildet, sondern ein starker, regionaler Klinikverbund mit einer eigenen Identität."

Strategiekonzept 2020+
Die Fusion und Umstrukturierung ist Teil des "Medizinstrategiekonzept 2020+" des Landkreises. Es trägt vor allem dem neuen Krankenhausstrukturgesetz Rechnung, die Kliniken im ländlichen Raum vor große Herausforderungen stellt. Das Gesetz schreibt z.B. im Interesse der Qualitätssicherung vor, dass Kliniken jährlich eine bestimmte Mindestzahl von Behandlungen je Fachgebiet nachweisen. Erfüllt die Klinik diese Zahl nicht, darf sie die Behandlung nicht mehr anbieten. "Für kleinere Kliniken mit Vollversorgungsauftrag, d.h. gering ausgeprägter Spezialisierung, ist das eine existenzielle Bedrohung", sagte Vorstand Thomas Schneider.
Vor diesem Hintergrund wurden die Kliniken Ostalb-Klinikum Aalen, das Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd und die St. Anna-Virngrund-Klinik Ellwangen zu einer gemeinnützigen Kommunalen Anstalt des öffentlichen Rechts (gKAöR) zusammengefasst. Ziel der Fusion ist es, den Bewohnern des Ostalbkreises im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge eine leistungsfähige medizinische Grund- und Notfallversorgung zu bieten, die gleichzeitig wirtschaftlich tragbar ist.

Qualitätsniveau einer großen Fachklinink
Kern der Neuorganisation ist die Bildung sog. "Departments", d.h. standortübergreifender Fachgruppen, die Patienten nach einheitlichen Standards behandeln. "Dadurch erreichen wir in Punkto Fallzahlen und Qualitätsstandards das Niveau einer großen Fachklinik", betonte Verwaltungsratsvorsitzender Klaus Pavel. "Das ist nicht nur Voraussetzung, um weiter eine Vollversorgung anbieten zu können, sondern macht uns vor allem auch als Ausbildungskrankenhaus und Arbeitgeber deutlich attraktiver."

Herausforderung Fachkräftemangel
Ein großes Problem bleibt der akute Fachkräftemangel vor allem beim spezialisiertem Pflegepersonal. "Wir konkurrieren hier nicht nur mir Stuttgart, Ulm und Augsburg um die besten Kräfte, sondern auch mit dem Hochlohnland Schweiz oder gut bezahlten anderen Berufen", erläuterte Axel Janischowski. "Auch wenn wir durch unsere Fusion als Arbeitgeber an Attraktivität gewonnen haben, bleibt das ein gravieren-des Problem."
Gerade stark spezialisierte Bereiche, wie z.B. Neugeborenen- und Kinder-Intensivmedizin, sind davon besonders betroffen. "Dort werden erfahrene, speziell fortgebildete Pflegekräfte gebraucht, die es derzeit am Arbeitsmarkt kaum gibt", so Janischowski. "Wir sind momentan noch so besetzt, dass wir unserem Versorgungsauftrag nachkommen können. Da sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt eher verschärfen als entspannen wird, prüfen wir Möglichkeiten, wie wir die Versorgung langfristig sicherstellen können. Die Attraktivität der medizinischen Berufsbilder wird dabei auch ein Schlüssel für den langfristigen Erfolg sein."

Ausbildungsoffensive
In der Fort- und Weiterbildung nutzen Ärzte und Pflegepersonal seit dem Zusammenschluss Angebote aller drei Standorte gemeinsam.
Die drei Gesundheits- und Krankenpflegeschulen der Kliniken Ostalb wurden organisatorisch zusammengelegt. Um die Ausbildungszahlen weiter zu erhöhen, wurde im Jahr 2018 in der Gesundheits- und Krankenpflege ein weiterer Ausbildungskurs zum April gestartet. Parallel gibt es seit April 2018 eine neue 1-jährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegehelfer/In.
Mit der Akademie für Gesundheitsberufe am Universitätsklinikum Ulm konnten die Kliniken Ostalb bereits im März 2018 einen neuen Kooperationsvertrag unterzeichnen. Jetzt werden Medizinisch Technische Radiologie Assistenten (MTRA) selbst ausgebildet. Die Theorie wird in Ulm gelernt, die praktische Ausbildung findet in den Kliniken statt.
Alle Maßnahmen dienen dazu, möglichst viele der dringend benötigen Fachkräfte selbst auszubilden.