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Allgemeine Fragen zum Eichenprozessionsspinner

Was ist eigentlich der Eichenprozessionsspinner (EPS)?

Der Eichenprozessionsspinner (wiss. Name Thaumetapoea processionea) ist eine wärmeliebende heimische Nachtfalterart, die Seit Mitte der 90er Jahre in Baden-Württemberg gehäuft auftritt. Seit dem Trockenjahr 2003 ist der EPS auch im Ostalbkreis zu einem Problem geworden.

Woran erkenne ich den EPS?

Die behaarten Raupen sind anfangs orange-schwarz längsgestreift, später gelb-grau und bis zu 5 cm lang. Später werden auffällige etwa fußballgrosse Gespinstnester am Stamm unter Astanläufen oder in der Krone angelegt. Die Raupen wandern in langen Reihen zwischen Ruhe- und Fraßplatz umher, daher der Name Prozessionsspinner. An stark befallenen Eichen ist ab Juni/Juli auch der Blattverlust durch Fraß ein Zeichen. Der Falter selbst ist unscheinbar.

Wie verläuft die Entwicklung des EPS?

Der Falter fliegt bei Nacht zwischen Juli und September. Das Weibchen legt etwa 30 bis 300 Eier an vorjährigen Wipfeltrieben als Paket ab. Mit dem Laubaustrieb Ende April / Anfang Mai schlüpfen die Eiräupchen (erstes Larvenstadium). Sie bleiben die ersten Wochen in der oberen Krone und fressen unermüdlich. Erst von älteren Raupen (ab etwa 5. Larvenstadium) werden Gespinstnester gebildet. Sie dienen tags zum Ruhen und werden abends zum Fressen verlassen. Später findet in den Gespinsten die Verpuppung statt.

An welchen Baumarten kommt der EPS vor?

An Stiel- und Traubeneiche. An anderen Baumarten frisst die Raupe nur vorübergehend.

Warum stellt der Eichenprozessionsspinner eine Gesundheitsgefahr dar?

Ältere EPS-Raupen (ab dem dritten von meist 6 Larvenstadien) besitzen als Verteidigungsmittel sog. Brenn- oder Gifthaare, die für viele Organismen reizende Eiweissstoffe enthalten. Diese widerhakenbewehrten Brennhaare sind nur 0,1-0,25 mm lang, sitzen in Büscheln auf der Raupenhaut und können bei Gefahr abgestoßen werden. Die langen, gut sichtbaren Raupenhaare sind hingegen ziemlich harmlos. (siehe Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen). Gelangen diese Brennhaare auf die Haut, in die Atemwege oder an die Augenbindehaut werden bei den meisten Menschen allergische Reaktionen ausgelöst, deren Stärke von der Intensität des Kontakts und der individuellen Disposition abhängen. Allgemein nimmt bei wiederholtem Kontakt die Heftigkeit der Abwehrreaktion zu! Typische Krankheitssymptome sind Hautausschlag an exponierten Hautpartien (v.a. Arme, Hände, Hals) und Quaddeln am ganzen Körper ("Raupendermatitis") sowie als Allgemeinerscheinungen Schwindel, Benommenheit und Fieber. Des weiteren sind Atemwegsbeschwerden, Entzündung von Augenbindehaut und Auge oder gar ein anaphylaktischer Schock möglich.

Ab welchem Zeitpunkt im Jahr stellen die Brennhaare des EPS eine Gesundheitsgefährdung dar?

Beim Aufenthalt im Freien besteht - je nach Verlauf der Witterung - in der Zeit von ca. Ende Mai bis Mitte Juli, also für gut 8 Wochen, ein erhöhtes Erkrankungs-Risiko. Dann nämlich, wenn man an, unter und neben befallenen Bäumen mit Brennhaaren in Kontakt kommt.

Wie vermeide ich Gesundheitsbeeinträchtigungen durch EPS-Brennhaare?

Eichenbestände mit Anzeichen für Eichenprozessionsspinner-Vorkommen sind in dieser Zeit zu meiden.
Befestigte Wege bitte nicht verlassen sowie Raupen und Gespinstnester keinesfalls berühren!
Kontaminierte Kleidungsstücke vorsichtig draußen wechseln und durch Wäsche anhaftende Brennhaare entfernen bzw. unschädlich machen.
Exponierte Körperstellen gründlich reinigen (Duschen).

Welche Maßnahmen der Bekämpfung bzw.. Möglichkeiten der Gefahrenabwehr bestehen?

Meiden von betroffenen Bereichen.
Befristete Sperrung von betroffenen Waldteilen.
Vorbeugender Pflanzenschutzmitteleinsatz für besonders heikle Objekte, die nicht gesperrt werden können. Die Maßnahmen können nur durch Personen mit einem entsprechenden Sachkundenachweis durchgeführt werden.
Beseitigen der Raupen und Gespinste durch Spezialisten.
Diese Maßnahme ist nur ein Notbehelf. Sie ist aufwendig, etwas unsicher in der Wirksamkeit und teuer. Je nach Methode liegen die Kosten bei über 500,00 Euro je Baum! Außerdem müssen die Bäume in der Regel für eine Hebebühne oder Drehleiter zugänglich sein. Bei allen Arbeiten ist selbstverständlich darauf zu achten, dass die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden. Bei unsachgemäßer Ausführung besteht die Gefahr, dass Brennhaare sogar noch weiter verteilt werden. Die Maßnahmen sind daher eine Aufgabe für Spezialisten! Grundsätzlich ist das Absaugen dem Abflämmen vorzuziehen. Beim Abflämmen wird ein Teil der Brennhaare in der Umgebung verteilt. Das Abklauben kommt nur für einzelne Nester in Frage. Allen drei Methoden sollte eine vorherige Fixierung der Brennhaare durch Besprühen (z.B. mit "Wasserglas“) vorausgehen. Gesammmeltes Raupen- und Gespinstmaterial muss anschließend fachgerecht entsorgt werden (z.B. durch Vergraben oder Verbrennen).
Das Fällen von exponierten Bäumen stellt den äußersten Fall dar, wenn der Aufwand für andere Maßnahmen auf Dauer nicht gerechtfertigt bzw. sicher genug ist und übrige Bedenken (insbesondere seitens Naturschutz) ausgeräumt werden können.

Wie lange geht von den Gespinsten in den Bäumen eine mögliche Gesundheitsbeeinträchtigung aus?

Die Gespinstnester sind voller Brennhaare, Kot, Häute und Kokons. Wenn sie durch Holzernte, Sturm oder andere äußere Einflüsse zerstört werden, können auch noch nach zwei Jahren Brennhaare in der Umgebung verteilt werden. Dies sollten insbesondere Brennholzselbstwerber beachten und sich entsprechend verhalten und schützen!

An wen kann ich mich bei Problemen mit EPS wenden?

Bei akuten Gesundheitsbeschwerden bitte unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Bei juckenden Hautausschlägen werden üblicherweise kortisonhaltige Salben verschrieben. Weisen Sie auf Ihren Verdacht hin.
Möchten Sie das Auftreten von Raupen an für Menschen heiklen Stellen melden möchten oder Fragen zur Bekämpfung haben, wenden Sie sich an den Geschäftsbereich Wald und Forstwirtschaft des Landratsamtes bzw. die Ordnungsämter der Städten und Gemeinden.

Welche Schäden verursacht der EPS im Wald bzw. an Bäumen?

Bei zahlreichem Auftreten können die EPS-Raupen Licht- und Kahlfraß an Eichen verursachen und damit die Vitalität der Bäume wesentlich und anhaltend schwächen. Weil der EPS oft mit anderen Blattvertilgern gemeinsam auftritt und vor allem sehr lang, bis in den Juli hinein, frisst, kann sogar die normalerweise durch den Johannistrieb erfolgende Regeneration der Eichen verhindert werden. Die Schwächung führt dann zur Disposition für andere Krankheitserreger bis zum Absterben der Eichen. Die Raupenbekämpfung dient nicht nur der Vermögenserhaltung und dem Schutz des Erholungsverkehrs, sondern gerade auch der Bewahrung eines wertvollen Lebensraumtyps und der Lebensstätte seltener Tier- und Pflanzenarten.

Welche weitere Entwicklung des Auftretens des EPS wird in den nächsten Jahren für Südwestdeutschland erwartet?

Der EPS befindet sich auf relativ hohem Populationsniveau und es gibt derzeit keine verlässlichen Anzeichen für eine Abschwächung. In den wärmeren Regionen dürfte er aufgrund des Klimawandels zu einem Dauerproblem werden, mit dem wir uns arrangieren müssen.

Können auch bei Haustieren allergische Reaktionen durch die Brennhaare des EPS ausgelöst werden?

Ja. Besonders Pferde reagieren empfindlich. Allergien können auch entstehen, wenn Heu verfüttert wird, das unter befallenen Bäumen geerntet wurde. Ähnliche Reaktionen sind auch bei Schafen und Hasen bekannt.