Maßnahmen zum Schutz der Eichenwälder gegen den Eichenprozessionsspinner im Ostalbkreis

Voraussichtlich am 14. Mai 2019 werden ausgewählte Eichenwälder im Ostalbkreis mit einem Pflanzenschutzmittel vom Hubschrauber aus besprüht. Darüber informierten Landrat Klaus Pavel, Forstdezernent Johann Reck und Wolf Noack vom Dezernat Wald und Forstwirtschaft des Landratsamts Ostalbkreis im Rahmen eines Pressegespräches im Aalener Landratsamt am 8. Mai. Der genaue Behandlungstag kann sich wetterabhängig noch verschieben und wird kurzfristig bekannt gegeben. Die Behandlungsgebiete liegen in Aalen, Abtsgmünd, Neuler, Kirchheim, Tannhausen und Unterschneidheim. Karten stehen zum Download zur Verfügung und können bei den betroffenen Gemeinden eingesehen werden.

Das Pflanzenschutzmittel besitzt keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen. Dennoch werden die Flächen am Tag der Befliegung aus Sicherheitsgründen ganztägig gesperrt. Ausgeschilderte Sperrungen und Hinweisschilder sind zu beachten. Es kommt außerdem zu kurzfristigen, wenige Minuten andauernden Straßensperrungen.

Die untere Forstbehörde beim Landratsamt Ostalbkreis übernimmt im Auftrag der betroffenen Waldbesitzer die Vorbereitung und Einsatzleitung der Aktion und sorgt für einen ordnungsgemäßen Verlauf und die Einhaltung der umfangreichen Vorschriften.

In den vergangenen Jahren sind die Raupen des Eichenprozessionsspinners in den Eichenwäldern des Ostalbkreises massiv in Erscheinung getreten. Die häufigen Warmjahre und die natürliche Populationsdynamik begünstigten die starke Vermehrung dieses Insekts. Regelmäßig starke Blattverluste durch den Fraß der Raupen können die Eichen auf Dauer nicht kompensieren. Durch das Trockenjahr 2018 sind die Eichen zusätzlich geschwächt und anfällig gegen Sekundärschädlinge. Es besteht die akute Gefahr, dass die die ökologisch wertvollen Eichenwälder absterben.

Laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden Württemberg ist die Anwendung eines Pflanzenschutzmittels zum Schutze der Eichen als Maßnahme der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft der Waldbesitzer daher zulässig und notwendig. Andere Maßnahmen wie Absammeln oder Absaugen sind nicht möglich, weil die Bäume im Wald nicht mit einer Hebebühne angefahren werden können. Aus dem gleichen Grund scheidet auch eine einzelbaumweise Ausbringung des Pflanzenschutzmittels mit Bodengeräten aus. Einzige Alternative in geschlossenen Waldflächen ist daher die Ausbringung des Pflanzenschutzmittels per Hubschrauber.

Das Pflanzenschutzmittel wird dabei in Wasser gelöst als Sprühnebel von oben und aus kurzer Entfernung direkt auf die Kronen der Eichen ausgebracht. Die Besprühungen werden von sachkundigen, im Pflanzenschutzdienst erfahrenen Hubschrauberpiloten durchgeführt. Moderne Technik ermöglicht eine sehr geringe Dosierung und eine gezielte Ausbringung des Mittels.

Insgesamt werden im Kreis 260 Hektar Waldfläche behandelt, d.h. weniger als 0,5 Prozent der Gesamtwaldfläche im Ostalbkreis. Waldränder müssen dabei außen vor gelassen werden, da bei der Anwendung per Hubschrauber Abstandsvorschriften zu beachten sind. Am Waldrand sind daher nur einzelbaumweise Anwendungen vom Boden aus möglich.

Bei dem verwendeten Pflanzenschutzmittel handelt es sich um das Präparat Foray 76B, das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wegen der akuten Situation extra zugelassen wurde. Die wirksame Substanz bei diesem Präparat ist das Bacillus thuringiensis ssp. kurstaki (B.t.). B.t. wird seit über 40 Jahren in Deutschland auch im Ökolandbau eingesetzt. Das Pflanzenschutzmittel besitzt keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen. Es wirkt sehr selektiv gegen blattfressende Schmetterlingsraupen über den empfindlichen Darm der jungen Raupen. Gegenüber adulten Schmetterlingen, Bienen oder andern Insekten ist B.t. nicht wirksam. Die Raupen anderer Schmetterlingsarten, die zu diesem Zeitpunkt an der Eiche oder im nahen Umfeld der Eichen fraßaktiv sind, sind allerdings leider ebenfalls betroffen. Die kurze Wirkungsdauer von B.t. von nur wenigen Tagen reduziert die ungewollten Nebenverluste anderer Raupenarten aber so weit wie möglich. Als zusätzliche vorbeugende Maßnahme werden außerdem immer nur maximal 50 Prozent eines zusammenhängenden Waldgebiets behandelt.

Als Nebeneffekt der Maßnahme werden sich in den behandelten Waldgebieten auch die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Waldbesucher durch die Brennhaare der Raupen reduzieren.