Ostalb-Bauern - Imagekampagne Landwirtschaft 2017

Bauernverband und Landkreisverwaltung starten Imagekampagne

Ruinöse Preise für Milch und Fleisch, Massentierhaltung und Industrialisierung der Landwirtschaft, Höfesterben – diese und viele andere Schlagworte beherrschen die Berichterstattung in den Medien, wenn es um die Landwirtschaft geht. Um die Herausforderungen der heimischen Landwirtschaft einerseits, andererseits aber vor allem die Leistungen der Bauern im Ostalbkreis transparent darzustellen, starten der Bauernverband Ostalb e.V. und die Landkreisverwaltung jetzt eine Imagekampagne. Neun landwirtschaftliche Betriebe präsentieren sich in einer Artikelserie.


Rund 3.000 Beschäftigte arbeiten im Ostalbkreis in der Landwirtschaft. Ein Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe wird im Haupterwerb, zwei Drittel werden im Nebenerwerb geführt. Von den rund 151.000 Hektar Fläche im Landkreis werden 65.500 Hektar landwirtschaftlich genutzt, davon etwas mehr als die Hälfte in Form von Ackerflächen, der Rest als Dauergrünland. Die überwiegende Anzahl der großen Betriebe hält Milchvieh, gefolgt von Mastschweinen und Zuchtsauen. So ist der Ostalbkreis mit rund 26.000 Milchkühen – in Baden-Württemberg sind es 341.000 - einer der stärksten Landkreise in der Milchviehhaltung. Im Landkreis werden jährlich rund 185.000 Tonnen Milch produziert, ein erheblicher Wirtschaftsfaktor also. Die Milchpreise sind deshalb für das Einkommen der Landwirte auf der Ostalb sehr wichtig.

"Unsere Landwirtschaft im Ostalbkreis produziert qualitativ hochwertige Nahrungsmittel, wobei der schonende Umgang mit der Natur und das Tierwohl im Mittelpunkt unserer nachhaltigen Arbeitsweise stehen", betont der Kreisvorsitzende des Bauerverbands, Hubert Kucher. Ein weithin sichtbares Ergebnis landwirtschaftlicher Tätigkeit ist die abwechslungsreiche Kulturlandschaft im Ostalbkreis. Probleme macht den regionalen Landwirten die Globalisierung der Märkte. "Die Erfüllung der hohen Standards und die Erwartungen der Gesellschaft verursachen immer höhere Kosten bei gleichzeitig sinkenden Erzeugerpreisen", verdeutlicht Johannes Strauß, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, das Dilemma. "Viele Familien werden in Zukunft gezwungen sein, ihre Höfe aufzugeben." Allein in den vergangenen acht Jahren hat sich die Zahl der Schweinehalter im Ostalbkreis nahezu halbiert, vor allem die Zuchtsauenbestände gingen deutlich zurück. Nachdem die Preise über Jahre hinweg schlecht waren, zeigte sich im vergangenen Mai ein Silberstreif am Horizont. Die Preise für Schweinefleisch und Ferkel zogen deutlich an, waren allerdings im Herbst wieder rückläufig und haben sich zwischenzeitlich wieder stabilisiert.

"Da viele Verbraucher diese Entwicklung nicht sehen und beim Einkauf eine rein wirtschaftliche Entscheidung zugunsten der billigsten Produkte treffen, wollen wir gemeinsam mit dem Kreisbauernverband das Image der Landwirtschaft verbessern und unsere Bürgerinnen und Bürger auf die Leistungen unsere Landwirte aufmerksam machen", so Landrat Klaus Pavel. Ziel ist neben einem besseren Bild der Ostalb-Bauern in der Öffentlichkeit, die Konsumenten auch davon zu überzeugen, dass etwa für Milch, Fleisch und Eier aus regionaler Produktion billige Weltmarktpreise nicht machbar sind – hochwertige Lebensmittel kosten mehr.

Neben dem Konsumverhalten erschwerte besonders im vergangenen Jahr die Witterung den Landwirten das Wirtschaften. Ende Mai kam es im Ostalbkreis zu unwetterartigen Niederschlägen in bislang nicht bekanntem Ausmaß. In den Talauen kam es zu Überschwemmungen, die auf den betroffenen Flächen zu Ausfällen bei der Futterernte führten. Die Nässeperiode blieb auch nicht ohne Auswirkung auf die Getreideerträge. Die Ernte war unterdurchschnittlich und die Getreidepreise waren schlecht, denn in Zeiten liberalisierter Märkte spielt ein Minderertrag in Deutschland oder gar im Ostalbkreis keine preisentscheidende Rolle mehr.

Helmut Hessenauer, Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft bei der Kreisverwaltung, lässt ergänzend die Entwicklung der Milchviehhalter Revue passieren: "Die wirtschaftliche Lage ist auch bei uns hier auf der Ostalb schwierig. Unsere Milchviehhalter haben ein langes Preistal hinter sich. Mitte des vergangenen Jahres lagen die Erzeugerpreise unter 25 cts./kg. Sie waren seit 2014 rückläufig. Selbst die allerbesten Betriebe konnten zu solch niedrigen Preisen nicht mehr kostendeckend produzieren. Glücklicherweise hat mittlerweile der Markt gedreht. Ab September 2016 stiegen die Preise wieder und liegen deutlich über 30 cts./kg. Die Milcherzeugung wurde in allen wichtigen Erzeugungsregionen eingeschränkt und die globale Nachfrage stabilisierte sich. Die niedrigen Erzeugerpreise haben aber auf den Höfen tiefe Spuren hinterlassen. Es gilt jetzt die Liquiditätslücken zu schließen und Reserven aufzubauen.“

Weil eine funktionierende Landwirtschaft für den Ostalbkreis sowohl wirtschaftlich als auch für die Gestaltung des Lebensraums immens wichtig ist, soll die Imagekampagne "Ostalb-Bauern" dem Berufsstand der Landwirte wieder zu der Wahrnehmung verhelfen, die er verdient. Nämlich zu einem Berufsstand, der eine qualitativ hochwertige Lebensmittelversorgung gewährleistet, dabei unsere Kulturlandschaft pflegt und der sich neuen Herausforderungen wie der Erhaltung der Biodiversität und dem Klimaschutz stellt.
"Mit unserer Kampagne wollen wir vorbehaltlos, sachlich und mit einem gesunden Maß an Selbstkritik Verbraucher über den heute erreichten Stand der Landwirtschaft informieren und gleichzeitig für mehr Akzeptanz und Wertschätzung für die Landwirtschaft werben", betonen Pavel und Kucher.

INFO:

Folgende Landwirte stellen sich und ihre Betriebe in den kommenden Wochen vor: