Imagekampagne Ostalb-Bauern: "Holle-Hof" Schöffler in Riesbürg-Pflaumloch

Annegret Schöffler (48) ist nicht nur eine hochqualifizierte Landwirtin, sondern sie "lebt" diesen Beruf mit einer bemerkenswerten Leidenschaft. Doch Annegret Schöffler ist auch eine resolute Realistin, die sich nichts vormacht: "Durch die teilweise niedrigen Erzeugerpreise wird es immer schwieriger, einen so lange gewachsenen Hof wie den unseren zu erhalten. Deshalb ist es nicht sicher, ob eines unserer Kinder diesen Hof weiter betreiben will. Unsere Kinder lernen in diesen schwierigen Zeiten einen anderen Beruf!"

Das wäre sehr schade, denn der Familienhof von Annegret Schöffler und ihrem Mann, dem Landwirt Heinrich Schöffler (51), in Pflaumloch mit den Produktionsschwerpunkten Schweinemast, Ferkelerzeugung und Ackerbau mit einer Nische hier im Ostalbkreis, dem Zuckerrübenanbau, hat eine lange Tradition. Die erste urkundliche Erwähnung als "Heiligenhof" reicht bis ins Jahr 1368 zurück. Damals gab es in Pflaumloch ein Patronat des Ritters von Hürnheim, die heutige Hofstelle der Schöfflers gehörte dem Spital von Nördlingen. Das setzte "Grundholde" zur Bewirtschaftung ein. Einer dieser Grundholde im Jahr 1682 hieß Melchior Hollen – und von diesem stammt der Hausname "Holle" für den Schöffler-Betrieb. Auf der Hofstelle wurde 1775, wahrscheinlich vom Spital Nördlingen, ein "Zehntstadel" zur Einlagerung von Naturalsteuern gebaut. Dieser Stadel wird heute noch als Getreidelager genutzt.

Annegret und Heinrich Schöffler bewirtschaften ihren reinen Familienbetrieb im Vollerwerb. Ihre Kinder legen zwar, wann immer es notwendig ist, Hand an auf dem Hof, sie konzentrieren sich aber auf andere Berufsfelder: Andreas (22) arbeitet als Koch, Anja (18) ist Schülerin am Technischen Gymnasium und Tobias (17) macht eine Lehre zum Fahrzeugmechaniker. Karl Schied (76) und Margret Schied (74), die Eltern von Annegret Schöffler, helfen teilweise noch in der Feld-, Garten- und Stallarbeit mit. Die Mutter des Ehemanns, Irene Schöffler (81) lebt bei Bopfingen.

Die Hauptgebäude des "Holle-Hofes" neben der Zehntscheuer wurden vom Großvater mütterlicherseits nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut. Karl Schied stellte den Betrieb bereits 1973 auf Schweinzucht und -mast um. Deshalb wurden 1982 die bestehenden Gebäude mit einem Schweinstall zu einem "Dreiseithof" verbunden. Weitere bauliche Veränderungen folgten: 1992 Um- und Ausbau des Wohnhauses, 1997 Bau einer neuen Güllegrube und 2002 einer Siloanlage. 2007 erstellten die Schöfflers, weil es im Ortskern keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr gab, etwa 900 m außerhalb von Pflaumloch einen neuen Stall mit Güllegrube. Zurückblickend auf die "Baugeschichte" klagt Annegret Schöffler: "Wir müssen ständig investieren, weil sich die gesetzlichen Vorschriften für Größe und Ausstattung der landwirtschaftlichen Gebäude und Ställe ständig verschärfen. Das geht oft an die Grenze der Machbarkeit heran."

Heute besteht der "Holle-Hof", von dem aus auch die Felder des elterlichen Betriebs von Martin Schöffler in Bopfingen bewirtschaftet werden, aus insgesamt 50 Hektar. Davon sind 3 Hektar Grünland, aus dem Graspellets oder Heu für die Fütterung der Schweine und Pferde geerntet werden. Auf 15 Hektar wird Winterweizen angebaut, auf 13 Hektar Wintergerste und auf 8 Hektar sehen bei den Schöfflers Körnermais, der wie Weizen und Gerste ans Vieh verfüttert wird. 7 Hektar sind mit Winterraps eingesät, auf 3 Hektar wachsen Zuckerrüben und auf 4 Hektar Dinkel. Der Raps wird zur Öl- und Futtermittelherstellung verkauft und die Zuckerrüben zur Zucker- und ein kleiner Teil zur Ethanol-Herstellung. Den Dinkel verkaufen Schöfflers an eine Mühle, die das daraus hergestellte Mehl hier in der Region anbietet.

Wie mühsam und aufwendig die Arbeit auf dem Feld ist, beschreiben Annegret Schöffler und ihr Mann anschaulich. Trotz vielseitiger Maschinen, die heute zur Verfügung stehen, ist an verschiedensten Stellen Handarbeit angesagt.

Anbautechnik im Pflanzenbau
Für den Pflanzenbau stehen folgende Maschinen zur Verfügung: Zur Bodenbearbeitung benutzen die Schöfflers einen Pflug, eine Scheibenegge, einen Grubber, verschiedene Walzen und eine Sämaschine. Dünger bringen sie mit ihrem Güllefass oder einem Düngerstreuer aus. Pflanzenschutzmittel werden mit einer dafür zugelassenen Spritze ausgebracht. Die meisten Geräte gehören mehreren Landwirten zusammen.

Düngung
Mit der eigenen Gülle wird vor der Saat, nach der Saat oder in den Bestand bis 30 cm Höhe (bei Getreide) gedüngt. Diese wertvollen Nährstoffe werden so in einem kleinen Kreislauf wieder an den Boden zurückgegeben. Dies ist ein wichtiger Grund, warum aus Sicht des Landwirts Tiere gehalten werden. Die Schöfflers müssen deshalb nur sehr wenig Mineraldünger zukaufen, der zur gezielten Zeit eingesetzt wird. Zur Kalkdüngung beziehen wir von der Zuckerrübenfabrik Kalk, der auch als Carbokalk bezeichnet wird. Er fällt bei der Produktion, auch der Rüben, an und wird hier auf den Feldern je nach Bodenprobenbefunden gezielt ausgebracht.

Pflanzenschutz
Unkraut- und Pilzkrankheiten werden gezielt bekämpft, ebenso Schädlinge. Je nach Witterung ist hier noch Handarbeit nötig, vor allem bei den Zuckerrüben im Spätsommer, die dann zusätzlich von "geschossenen" Rübensamenstengeln befreit werden müssen.

Erntetechnik
Getreide und Raps werden mit dem Mähdrescher eines Kollegen gedroschen. Der Mais wird von einem Lohnunternehmer geerntet. Die Zuckerrüben werden von einer Gemeinschaft mit einem sechsreihigen Rübenvollernter gerodet und später mit einer selbstfahrenden Maschine, die "Lademaus" genannt wird, verladen.

Lagerung der Ernteprodukte
Das Getreide zur Verfütterung wird, wenn es notwendig ist, getrocknet. Körnermais wird auf jeden Fall zuerst zur Trocknung gebracht, da er bei der Ernte wesentlich mehr Wasser enthält. Beides lagert anschließend auf dem Hof in Silos. Der Raps wird nach der Ernte zum Händler gefahren und dort eingelagert oder direkt verkauft. Die Zuckerrüben werden am Ackerrand auf Mieten zwischengelagert und nach einem festen Abfuhrplan mit Lkws direkt vom Feld abgeholt und in die Zuckerfabrik nach Rain am Lech gefahren – dort werden sie auf großen Mieten weiterverlagert oder gleich zu Zucker verarbeitet. Das Gras wird entweder zu Heu oder Öhmd getrocknet, mit einer kleinen Ballenpresse gepresst und auf dem Heuboden aufgestapelt. Für Graspellets wird das Gras der Streuobstwiesen mit dem Ladewagen zur Trocknungsgemeinschaft Wechingen eG gefahren, dort getrocknet, zurück transportiert und über den Winter an die Schweine verfüttert.

Die Bodenbearbeitung nach der Ernte
Die Stoppelbearbeitung wird mit der Scheibenegge oder mit dem Grubber durchgeführt. Ziel ist es, den Boden vor Austrocknung zu schützen, das Ausfallgetreide und die Unkrautsamen sollen zum Keimen gebracht und der Boden für die nächste Anbaufrucht vorbereitet werden. Später, zur Saat, wird der Boden gepflügt und mit der Kreiselegge, der Packer-Walze und der Sämaschine in einem Arbeitsgang zerkleinert, rückverfestigt und eingesät. Bei den Sommerfrüchten wird das Feld erst im Frühjahr zur Saat vorbereitet und eingesät, wenn sich der Boden erwärmt hat.

Tierhaltung auf dem Hof
Die Tierhaltung der Schöfflers umfasst derzeit etwa 80 Mutter- und 20 Jungsauen aus eigener Nachzucht und einem dafür "zuständigen" Eber sowie rund 400 Ferkeln und 600 Mastschweinen im Stall der Teilaussiedlung. Bei den Sauen handelt es sich um die "Deutsche Landrasse". Annegret Schöffler betont: "Das ist allerdings keine Hochleistungshybridzucht, wie sie heute verwendet wird. Die Muttersauen werden bei uns mit einem Pietraineber besamt oder gedeckt – so wird viel Bemuskelung vererbt, aber wenig Fett."

Den "Produktionsablauf" beschreibt Annegret Schöffler detailliert: "Alle drei Wochen ferkeln zehn bis zwölf Sauen in zwei Abteilen ab; in der Regel immer freitags. Das sind dann etwa 100 bis 120 Ferkel. Diese wiegen bei der Geburt durchschnittlich ein Kilogramm, beim Absetzen nach 28 Tagen werden sie von der Mutter getrennt und wiegen dann bereits acht bis zehn Kilogramm. Sie werden dann mit dem Viehanhänger in den Stall außerhalb des Dorfes gefahren. Die Ferkel werden dort weiter in Gruppen zusammen aufgezogen und nach einigen Wochen in den Mastabteil im gleichen Gebäude eingestallt. Dort werden sie bis zu einem Lebendgewicht von 120 bis 130 kg gefüttert und dann zum Schlachten gefahren. Die Schweine sind dann 180 bis 200 Tage alt." Die schlachtreifen Schweine werden zurzeit zu einem Metzger aus der Umgebung gefahren oder zum größten Teil von der Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben in Wertingen abgeholt.

Und wie geht es weiter? Fünf bis sechs Tage, nachdem die Ferkel von der Muttersau abgesetzt wurden, wird diese erneut besamt oder gedeckt, sie trägt dann 115 Tage. Eine Jungsau "ferkelt" nach einem Jahr das erste Mal, danach zwei bis dreimal im Jahr; sie kann also 22 bis 24 Ferkel pro Jahr gebären. Eine Muttersau kann im Betrieb Schöffler fünf bis sechs Jahre alt werden.

Annegret Schöffler betont besonders: "Da die Ferkel, die bei uns geboren werden, hier bis zur Schlachtung bleiben, spricht man von einem geschlossenen System." Mit anderen Worten: Es handelt sich somit um regional produziertes Schweinfleisch. Gute Qualität des Fleisches bedingt kompetentes und fleißiges Arbeiten im Stall. Was das im Klartext heißt, erklärt Annegret Schöffler: "Tierbeobachtung ist beim Füttern und Misten das A und O. Anzeichen von Krankheiten müssen schnell erkannt werden." Zum Beispiel, wenn die Tiere bei der Futtergabe nicht aufstehen, nicht fressen oder träge sind. Ebenso müsse auf Veränderungen der Haut oder auf offene Wunden geachtet werden. Als Gegenmaßnahmen empfiehlt Heinrich Schöffler: "Sofort Fieber messen und wenn nötig, den Tierarzt verständigen."

Die Qualität des Fleisches ist in hohem Maße von der Fütterung der Tiere abhängig. "Unsere Tiere werden mit eigenem Getreide gefüttert, davon wird ein Teil aus der Region zugekauft", berichtet Heinrich Schöffler. Er meint: "Die Futterrationen mischen wir mit einer Computer gesteuerten Mahl- und Mischanlage selber auf dem Betrieb. Diese holt sich die Komponenten aus den einzelnen Silos, mahlt sie in der Getreidemühle und bläst sie in verschiedene Vorratssilos. Ein Teil des Futters wird dann mit dem Wagen zur Teilaussiedlung gefahren und dort mit einer Futterschnecke verteilt. Die Muttersauen bekommen die aus unserem Gras hergestellten Pellets oder Heu zusätzlich als Rohfaser zur Sättigung."

"Ein landwirtschaftlicher Betrieb", stellt Annegret Schöffler abschließend fest, "ist ein sehr teurer Arbeitsplatz." Seit sie im Alter von 25 Jahren in diesen Beruf eingestiegen sei, "hat es in der Landwirtschaft einen gewaltigen Strukturwandel gegeben, der sich permanent fortsetzt." Maschinen und Computer würden immer wichtiger. Die Technik erleichtere zwar vieles, verschlinge aber auch viel Zeit für Wartung, Pflege und Reparaturen, zudem ufere die Bürokratie immer mehr aus. Grundsätzlich seien heute in Deutschland Lebensmittel überall billig und in guter Qualität zu haben. Deshalb werde es immer schwieriger, einen Betrieb wie den "Holle-Hof" rentabel zu führen. "Ich kann es nachvollziehen, dass sich unsere Kinder momentan anders orientieren", sagt Annegret Schöffler. Auch das "Klima" und das Verhalten der breiten Öffentlichkeit gegenüber den Landwirten habe sich in den letzten drei Jahrzehnten gewaltig verändert: "Die Menschen in unserer Region, die den Krieg und die Zeit der Entbehrung noch erlebten, hatten eine ganz andere Einstellung zu Lebensmitteln und zur Arbeit in der Landwirtschaft", bilanziert Annegret Schöffler und bedauert: "Das ist leider verloren gegangen. Dass der heutige Wohlstand in Deutschland zum großen Teil dem Fleiß der Bevölkerung, aber auch der Landwirtschaft zu verdanken ist, wird leider immer mehr vergessen."