Imagekampagne Ostalb-Bauern: Unterkolbenhof Rudolf Grözinger bei Essingen-Forst

Nach der Teilung des Unterkolbenhofs in zwei landwirtschaftliche Betriebe im Jahr 1912 ist der Unterkolbenhof 2 bei Essingen-Forst im Familienbesitz, seit 1979 bewirtschaftet den Hof Rudolf Grözinger (58) mit seiner Frau Annemarie. Kolbenhof – "War da nicht etwas mit Heinrich Lübke, der von 1959 bis 1969 der zweite deutsche Bundespräsident nach dem Zweiten Weltkrieg war?", werden sich viele ältere Ostälbler fragen. Ein kleiner Ausflug in die Geschichte bietet sich an:

Der in Schwäbisch Gmünd geborene und 2009 fast 100-jährig in Barcelona verstorbene Hans Hirner, wo er es als Pelzgroßhändler zu ansehnlichem Wohlstand gebracht hatte, baute sich in den 1950er-Jahren als Besitzer den Oberkolbenhof zu seinem Sommerdomizil aus, in direkter Nachbarschaft zum Unterkolbenhof. Hirner war, weil ohne Nazi-Vergangenheit, ein wichtiger Vermittler beim Wiederaufbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Spanien. Dabei lernte er Heinrich Lübke kennen, der damals Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war. Lübke und Hirner verband eine Duz-Freundschaft, auf der wiederholte Urlaubsaufenthalte vor allem im Winter des Bundespräsidenten auf dem Oberkolbenhof basierten. So auch im Winter 1963/1964, wenige Wochen nach dem Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy am 23. November 1963 in Dallas/Texas. Aber diesmal standen viele Polizisten auf dem Gelände. Darüber staunte der kleine Rudolf Grözinger und er fragte einen Polizisten, warum denn so viele Polizisten da seien. "Frag doch den Herrn selbst", bekam er zur Antwort. Das tat er dann auch. Nur, was der Herr Lübke dann darauf sagte, daran kann sich Rudolf Grözinger heute nicht mehr erinnern. Es wird wohl ein nichtssagendes typisches Lübke-Bonmot gewesen sein…

Rudolf Grözinger bildete sich nach der Schule zum Landwirtschaftsmeister in Aalen weiter, sein Bruder zog es vor zu studieren und arbeitet nun als Vermessungsingenieur. Rudolfs Ziel war klar: Chef auf dem Unterkolbenhof zu werden. In seiner Ehefrau Annemarie, deren Eltern den Lauchhof in Aalen betreiben, fand er die ideale Partnerin. Die Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft war nicht nur für die Erziehung der gemeinsamen vier Kinder zuständig, sondern auch für die nicht zu unterschätzende "Back-office-Arbeit" in dem Familienunternehmen. Die beiden Töchter, heute 31 und 30 Jahre alt, sind verheiratet und arbeiten "fachfremd" als Bürokauffrau und Arzthelferin. Sohn Johannes (22) ist Landmaschinenmechaniker und ist mit seinem Job bei der Fa. Brenner in Ohmenheim sehr zufrieden, hilft aber bei Bedarf auf dem Hof auch aus.
Nach alter Bauern-Tradition wird der älteste Sohn Christoph (27), der nach einer Lehre auf einem auswärtigen Hof inzwischen auch Landwirtschaftsmeister ist und sich zudem zum Holzfachwirt weitergebildet hat, den Unterkolbenhof einmal erben. Bereits heute ist er für den Milchviehbetrieb zusammen mit seinem Vater und seiner Mutter Gesellschafter der landwirtschaftlichen GbR, die keine weiteren Mitarbeiter hat. "Der Bauer hat kein Hobby, er hat seine Arbeit, die er aus Leidenschaft tut" – diesen Leitsatz hat Christoph Grözinger von seinem Vater verinnerlicht – die tägliche Arbeit von 10 bis 12 Stunden, im Sommer auch mal 16 Stunden, "macht mir Spaß", erklärt Grözinger jun. überzeugend. Für Urlaub bleibt nicht viel Zeit: "Wir fahren mal für wenige Tage mit den Landfrauen oder dem Maschinenring weg", sagt Annemarie Grözinger, "letztes Jahr waren wir auf Rügen."

Arbeit gibt es genug auf dem Unterkolbenhof. Insgesamt 107 Hektar Fläche (davon 40 Hektar im Eigenbesitz, der Rest zugepachtet) werden bewirtschaftet, im Stall stehen knapp 100 Milchkühe. Und dann gibt es noch eine kleine Biogas-Anlage mit 75 KWh, die als eigenständige GbR mit Rudolf und Christoph Grözinger als Gesellschafter geführt wird. Während im landwirtschaftlichen Betrieb nur Familienmitglieder mitarbeiten, greifen die Grözingers bei Feldarbeiten im Betrieb auf Hilfskräfte zurück. Was "Silieren" ist, erklärt Rudolf Grözinger: "Futterpflanzen, die der Rinderfütterung oder als Energiequelle in Biogasanlagen dienen, werden durch Silierung haltbar gemacht. Siliert werden können grundsätzlich alle Grünfuttermittel wie Gras (Grassilage), Mais (Maissilage), Klee oder Luzerne. Diese werden durch die Silage haltbar gemacht. Die Silage ist gleichzeitig ein durch Milchsäuregärung konserviertes Futtermittel für Nutztiere, also für unsere Milchkühe." In der Milchviehfütterung wie auf dem Unterkolbenhof ist Maissilage neben Grassilage das am häufigsten verwendete Futtermittel. Vorteil gegenüber Heu ist die höhere Witterungsunabhängigkeit; außerdem ist je Tonne Erntegut weniger Maschineneinsatz nötig und die Ernte kann somit zügig beendet werden. In Biogasanlagen dienen Silagen als energiereiches Substrat. Als die Kinder noch klein waren, hatten die Grözingers Helfer bzw. Praktikanten vorwiegend aus Russland. Für die Hilfe auf dem Hof kontaktierte Grözinger den gemeinnützigen Verein AgrarKontakt-International (AKI), der 1998 aus der langjährigen Arbeit des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg mit verschiedensten Ländern gegründet wurde. Ziel der AKI-Arbeit ist es, neben der Durchführung von Weiterbildungs- und Expertenprogrammen, Fachseminare und Delegationsreisen für Landwirte und Fachkräfte aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowohl in Deutschland als auch in den Partnerländern durchzuführen.

Der eigene Maschinenpark auf dem Unterkolbenhof ist als eher konservativ zu bezeichnen. Im Stall, der für die Tiere großzügig Platz gibt und der akribisch gepflegt wird, steht ein Melkstand für 14 Kühe. "Die Anschaffung eines Melkroboters lohnt sich noch nicht für uns", sagt Rudolf Grözinger. "Ich bin der Roboter", erklärte seine Ehefrau näher, "mit täglich drei Stunden Melkzeit". Im Sommer bleiben die Milchkühe im übrigen die meiste Zeit, auch nachts, auf der Weide – das Stalltor ist offen.

Rudolf Grözinger ist neben der eigenen Hofarbeit berufsständisch stark ehrenamtlich engagiert. Er ist in der Vorstandschaft des Landschaftserhaltungsverbandes und des landwirtschaftlichen Ortsvereins Essingen, im erweiterten Vorstand des Bauernverbandes und stellvertretender Vorsitzender des Maschinenrings Ostalb, der auf dem Unterkolbenhof eine Maschinen-Station hat. Hier steht seit drei Jahren ein über neun Tonnen schwerer 185-PS-Claas-Schlepper mit Allradantrieb, moderner Computertechnik sowie einer Klima- und einer Stereoanlage im Wert von 90.000 Euro, den Maschinen-Ring-Mitglieder ausleihen können. Die landwirtschaftliche Selbsthilfeorganisation für Landwirte hält eine ganze Reihe landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte wie Schlepper, Güllefässer, Walzen, Eggen oder Saatgeräte und anderes Gerät entweder auf dem Betriebshof in Hüttlingen oder auf etlichen Höfen im Ostalbkreis vor. Bei Rudolf Grözinger zum Beispiel können die Mitglieder des Maschinenrings ein Güllefass mit einem Fassungsvermögen von 12 Kubikmetern ausleihen.

80 Prozent der Erlöse des Unterkolbenhofes werden durch die Milch generiert. Die gesamte Milch wird an die Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall geliefert und dort verarbeitet. 20 Prozent bringt der Verkauf des Schlachtviehs an die Viehhändler. "Unsere Erlöse aus der Biogasanlage", lässt Grözinger wissen, "ersetzen quasi die Funktion einer Bank. Diese Erlöse erleichtern uns, bei eventuellem niedrigem Milchpreis die Einkommensschwankungen auszugleichen. Berufskollegen mit angegliedertem Forstbetrieb oder solche, die ihre Betriebe im Zu- oder Nebenerwerb bewirtschaften, werden genau so wie wir reagieren, um ihre Betriebe zu unterstützen." Der Milchpreis, so fordert es Grözinger, sollte so wie beim Strom geregelt werden: "Nur so können wir unsere Investitionen mittelfristig planen." 35 Cent pro Liter seien halbwegs in Ordnung – "aber bei 22 Cent können wir nicht überleben". Auch einen höheren Milchpreis, etwa ab 48 Cent pro Liter, hält Grözinger für kritisch: "Dann fangen einige Bauern schon wieder an, Kühe dazu zu kaufen, weil sie Dollaraugen kriegen und glauben, die Welt allein umtreiben zu können." Der Ausweg? "Bauern und Molkereien sollten sich über Abnahme- und Preisquoten einigen, weil sie letztlich in einem Boot sitzen." Davon würde letztlich auch der Verbraucher profitieren, weil die Mengensteuerung auch nachhaltig für eine Qualitätssicherung sorgt. "Die Politik sollte die Gesetze nicht so schnell ändern, zum Beispiel auch bei Regelungen zur Kapazität der Ställe", sagt Grözinger, der den Politikern aber nicht traut: "Berlin schiebt die Schuld auf die Länder, die geben den Schwarzen Peter wieder an den Bund zurück und dann funkt auch noch Brüssel dazwischen. Derzeit gibt es von einigen Politikern die Forderung nach einem Sachkundennachweis für Tierhalter – die Politiker aber haben keine Qualifikation, über unseren Beruf zu urteilen und entsprechende Gesetze zu erlassen."

Mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage des Hofes ist Rudolf Grözinger durchaus zufrieden: "Wir sind für unsere Größe gut aufgestellt, auch weil wir uns in den letzten 15 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt haben und nicht auf extremes Wachstum gesetzt, sondern immer die Qualität unserer Arbeit und unserer Produkte in den Fokus gestellt haben."