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Schneller gesund dank Telemedizin - Modellprojekt des Landes ist im Ostalbkreis erfolgreich angelaufen

Stand: April 2009
- Diese Modellprojekte sind zum 01.07.2012 ausgelaufen -

Die Versorgung mit ortsnahen medizinischen Dienstleistungen ist ein entscheidender Standortfaktor für die Städte und Gemeinden im Ländlichen Raum. Dank der finanziellen Förderung des Landes konnte der Ostalbkreis drei Telemedizinprojekte starten, die modellhaft als Lösungsansätze für ganz Baden-Württemberg getestet werden. Die Modellphase ist auf drei Jahre angelegt. Die Kliniken des Ostalbkreises, niedergelassene Ärzte und neun Sozialstationen und ambulante Pflegedienste sind mit im Boot. Das erste Projekt "Telekonsultation Chronische Wunde" läuft seit rund vier Wochen in der Praxis mit 35 Patienten.


"Wir haben momentan bereits elf Patienten mit chronischen Wunden, die wir ambulant betreuen und die sich bereit erklärt haben, sich für das Modellprojekt zur Verfügung zu stellen", erzählt Heidi Kratochwille. Sie ist Pflegedienstleiterin der Sozialstation Abtsgmünd und sitzt als Vertreterin der Pflegedienste im "Lenkungsausschuss Telemedizin" des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum. Dort werden die Projekte koordiniert.
Hinter der "Telekonsultation Chronische Wunde" verbirgt sich ein Projekt, das sich mit den vor allem bei älteren Menschen häufig auftretenden chronischen Wunden wie Beingeschwüren, dem Diabetischen Fußsyndrom, Liegegeschwüren und nach Operationen schlecht heilenden Wunden befasst. Von "chronisch" sprechen Ärzte dann, wenn eine Wunde nach sechs bis acht Wochen noch nicht abgeheilt ist. Sie verursachen jedes Jahr in Deutschland Kosten in Höhe von ca. 8 Mrd. Euro.

Ziel des Projektes ist es, hier viele aufwändige persönliche Arztbesuche in der häuslichen Betreuungssituation, deren einziger Anlass oft die Beurteilung solcher Wunden ist, zu vermeiden. Anstelle des Arztbesuches oder der Fahrt des Patienten zum Arzt fertigt der ambulante Pflegedienst im Rahmen der Wundversorgung mit einer hochwertigen integrierten Kamera eines Mobiltelefons eine Aufnahme der Wunde nach vorgegebener Spezifikation. Der Patient und alle dazugehörige Daten werden zuvor vom ambulanten Pflegedienst auf einem Internet-Server angelegt. Dafür, dass alles den Vorschriften des Datenschutzes entspricht, sorgte eine detaillierte Abstimmung des technischen Verfahrens mit dem Landesdatenschutzbeauftragten. Die Bildaufnahme wird zusammen mit notwendigen standardisierten Befundungsangaben über Mobilfunk an den Server übermittelt. Dabei werden die Angaben über den Patienten systematisch pseudonymisiert, so dass erst mit Zugriff auf den Server wieder ein plausibilisierter Personenbezug möglich ist. Neben dem Foto der Wunde kann der Pflegedienst bei Bedarf auch einen kurzen mündlichen Kommentar mitversenden. Auf diesen Server hat ein Wundspezialist am Klinikum Zugriff und kann bei Bedarf anhand der übermittelten Patientendaten einen Befund erstellen. Die Meinung eines Wundspezialisten, als solcher arbeitet Prof. Dr. Peter Wirsing vom Aalener Ostalb-Klinikum im Projekt mit, kann mittels Bildübertragung schneller und somit effizienter eingeholt werden. Die Bild-Konsultationen sind notwendig, da die telefonische Beschreibung der Befunde durch das Pflegepersonal oder einen Hausarzt in der Regel für eine Ferndiagnose zu ungenau sind. Zudem würden sie eine ständige Erreichbarkeit des zu konsultierenden Arztes voraussetzen.
Im Anschluss an die Befundung erstellt der Wundspezialist einen Therapievorschlag, welcher automatisch parallel an den Hausarzt und an den ambulanten Pflegedienst als Ergebnismeldung versendet wird. Der Hausarzt verordnet und ergänzt im Bedarfsfall die Therapie, welche vom ambulanten Pflegedienst ausgeführt wird und zu einer optimalen Wundheilung führt.

"Neben den besseren Heilungsperspektiven für den Patienten haben auch wir beim ambulanten Dienst Vorteile durch das neue Verfahren", ergänzt Heidi Kratochwille. "Die internetbasierte Technik erstellt uns eine komplette Wunddokumentation, die ausgedruckt und den Pflegeakten beigelegt werden kann. Die aufwändige handschriftliche Dokumention entfällt damit und gibt uns Zeit für andere Dinge." Die Erstellung des Fotos vor Ort beim Patienten verursache dagegen nur einen minimalen Aufwand, und die Datenübermittlung vom Handy des Pflegepersonals zum Klinikum erfolge unbemerkt im Hintergrund.

Tele-EKG und Sturzprävention ebenfalls im Test

Neben dem Projekt "Telekonsultation Chronische Wunde" fördert das Land außerdem die Projekte "Tele-EKG bei Patienten mit Herz-Rhythmus-Störungen" und "Teleprüfung Sturzgefährdung" mit insgesamt rund 383.000 Euro. Die restlichen Gelder in Höhe von 163.000 Euro steuert der Ostalbkreis bei.

Das Projekt "Tele-EKG" wurde unter Federführung von Privatdozent Dr. Ulrich Solzbach am Aalener Ostalb-Klinikum entwickelt, weil ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung an Herzrhythmusstörungen leidet. Die Beschwerden bei Rhythmusstörungen sind oft diffus, atypisch und wenig richtungsweisend, und es gibt daher keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen den Beschwerden des Patienten und der Gefährlichkeit der Rhythmusstörungen. Zudem wird das plötzliche Auftreten von Rhythmusstörungen als sehr unangenehm und beängstigend empfunden. Dies verursacht als Folge ein häufiges Aufsuchen eines Arztes, eine erhebliche Belastung für die oft kranken, älteren Patienten, ein oft normales momentanes EKG in der Arztpraxis und auch eine wirtschaftliche Belastung für das Gesundheitssystem.
"Ziel dieses Projektes ist es, ein Filtersystem aufzubauen, mit dessen Hilfe Patienten mit gravierenden und gefährlichen Rhythmusstörungen möglichst frühzeitig und möglichst effizient zu Hause identifiziert werden können", erklärt Solzbach. "Dabei sind Blutdruck, Puls und Beschwerden des Patienten ambulant leicht zu erheben, allein aber ein EKG bzw. ein Rhythmusstreifen bringen die Rhythmus-Diagnose und es gilt die Frage zu beantworten: wann muss welcher Rhythmuspatient wie behandelt werden?"
Durch die sofortige Auswertung eines Tele-EKGs mit Hilfe eines speziellen mobilen EKG-Gerätes sei es möglich, Rhythmuspatienten sofort eine Rückmeldung über ihre momentane Situation zu geben, ohne dass sie dafür stationär aufgenommen oder in einer Arztpraxis anwesend sein müssten.

Das dafür notwendige Tele-EKG-Gerät ist eine Speicherkarte in etwa der Größe einer Scheckkarte. Damit kann sie überall mitgeführt und eingesetzt werden. Nach der EKG-Aufzeichnung übermittelt das Gerät die EKG-Daten mittels Infrarotdatenübertragung oder durch akustische Signale an ein entsprechend geeignetes (Mobil-)telefon. Das Telefon wiederum sendet das EKG automatisch an ein Tele-Zentrum, welches die Daten aufbereitet an das betreuende Ostalb-Klinikum weiterleitet. Hier erfolgt bei Bedarf die sofortige Rückkopplung zum Patienten. Diese lückenlose, rund um die Uhr bestehende Betreuungsmöglichkeit ist die eigentliche Stärke bei Verwendung des Tele-EKG-Gerätes.

Teilnehmer des Projekts sind Patienten mit bekannten Herzrhythmusstörungen zum Monitoring bei etwaiger Verschlechterung und Patienten mit vermuteten Rhythmusstörungen, die im Ostalb-Klinikum oder bei niedergelassene Kardiologen in Behandlung sind. 20 Tele-EKG-Geräte stehen Oberarzt Dr. Bernd Hartig, der den Einsatz vor Ort koordiniert, am Ostalb-Klinikum für das Modellprojekt zur Verfügung und sind schon großteils bei den Patienten.

Den offiziellen Startschuss für die Telemedizinprojekte im Ostalbkreis gaben im April dieses Jahres bei einer Tagung des Landes zur Gesundheitsversorgung im Ländlichen Raum Sozialministerin Dr. Monika Stolz und der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk. "Es ist eine großartige Sache, dass wir die Gelegenheit ergreifen konnten, ein Modellprojekt zu begleiten, das sicherlich einen Beitrag zur künftigen medizinischen Versorgung im ländlichen Raum leisten wird", freut sich der Gesundheitsdezernent des Landratsamts, Dr. Klaus Walter, in dessen Geschäftsbereich das Modellprojekt mit dem Land koordiniert wird.

Weitere Informationen zu den Telemedizinprojekten gibt es im Internet unter http://www.telemedizin.gesundheitsnetz-ostalbkreis.de und beim Gesundheitsdezernenten des Landratsamts Ostalbkreis, Dr. Klaus Walter, Tel. 07361 503-1150.

Zum Modellprojekt Telemedizin wurde im SWR 4 Schwabenradio ein Beitrag zum Thema "Wie können Menschen in ländlichen Gegenden auch künftig zuverlässig ärztlich versorgt werden - In einer Zeit, in der die Gesundheit immer mehr kostet, in der es aber immer weniger Ärzte gibt?" gesendet. Dieser ist zum Download eingestellt.
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