Facebook
Youtube
Twitter
Instagram

Regierungspräsident Wolfgang Reimer vereidigt und verpflichtet Dr. Joachim Bläse als neuen Landrat des Landkreises Ostalbkreis

Regierungspräsident Wolfgang Reimer hat heute Abend (15. September 2020) in der Stadthalle Aalen den neuen Landrat des Ostalbkreises, Dr. Joachim Bläse, in einer öffentlichen Sitzung des Kreistags vereidigt und verpflichtet. Bei seiner Ansprache gratulierte der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer dem neuen Landrat zu seiner Wahl und wünschte ihm einen guten Start in eine erfolgreiche erste Amtszeit.

Den Auftakt des Abends machte die Band Staubstumm der Stiftung Haus Lindenhof, die mit den fetzig-schwäbischen Rock-Songs "Jeder Mensch" und "Sonntagshos" die Gäste mitrissen. Julia Landgraf-Schmid, stellvertretende Vorsitzende des Kreistags, eröffnete die Kreistagssitzung und übernahm die Begrüßung der rund 230 Gäste sowie den Dank an Dr. Bläses Ehefrau und die Familie für die Zustimmung und Unterstützung für die Übernahme des Amts des Landrats. Dr. Joachim Bläse bescheinigte Landgraf: "Egal woher man kommt, wohin man gehört, Sie behandeln alle Menschen gleich wertschätzend!" Das Amt und die Tätigkeit des Landrats verglich Landgraf mit einem sportlichen Wettkampf, zu dem Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung gehörten. Wichtig seien eine positive Grundhaltung, der Glaube an sich selbst und das notwendige Glück sowie ein roter Faden, an dem man sich zielorientiert entlanghangeln könne. Bläse bringe fachliches Wissen, Visionen und konkrete Ideen sowie eine große Leidenschaft für den Ostalbkreis mit. Er sei in der Lage, seine Mitmenschen mit fairen Mitteln zu überzeugen, sei fleißig und beharrlich. Kurz: "Sie sind für das, was kommt gerüstet." Mit den Wünschen "Bleiben Sie guter Dinge, gesund und sportlich!" überreichte Landgraf einen symbolischen roten Faden und ein Trikot für die anstehenden Herausforderungen.

"Nachdem ich vor genau einer Woche den seit 1996 amtierenden Landrat Klaus Pavel verabschieden durfte, freue ich mich, heute bei der öffentlichen Kreistagssitzung die Vereidigung und Verpflichtung von Ihnen, Herrn Dr. Bläse, als neuen Landrat vornehmen zu können", übernahm Regierungspräsident als zweiter Redner das Wort. "Die Verpflichtung eines neuen Landrats ist für mich als Chef der Rechtsaufsichtsbehörde über die Landkreise etwas ganz Besonderes. Dieser bedeutenden Aufgabe komme ich sehr gerne nach“, betonte Reimer, der eine neue Ära auf der Ostalb im größten Landkreis im Regierungsbezirk Stuttgart anbrechen sah. "Das Amt des Landrats hat sich im vergangenen Jahrzehnt gewandelt. Ein Landrat muss heute mehr denn je ein verlässlicher Manager und Teamplayer sein. Gefragt sind Offenheit, Teamgeist und sehr gute kommunikative Fähigkeiten, um die täglichen Herausforderungen gemeinsam mit allen Beteiligten zu diskutieren und zu bewältigen – gerade in den aktuellen, durchaus unsicheren Zeiten. Als Landrat sind Sie, lieber Herr Dr. Bläse, oberster Repräsentant des Landkreises und gleichzeitig Leiter einer bedeutenden staatlichen Verwaltungsbehörde. Damit sind Sie ein wichtiges Bindeglied zwischen der staatlichen und kommunalen Verwaltung unseres Landes. Eine gute Entwicklung des Landkreises und der Region zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger bedarf einer konstruktiven Zusammenarbeit aller Verwaltungsebenen. Ich schätze die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Ostalbkreis sehr und bin überzeugt, dass wir diese so auch fortführen werden.“

Im Weiteren spielte der Regierungspräsident auf Dr. Bläses Hobby als passionierte Läufer an: "Ausdauer zeigen, eine Situation aushalten und das Ziel konsequent verfolgen – dies sind hervorragende Eigenschaften für die Funktion als Landrat. Die von Ihnen gesteckten Ziele sind hoch. Sie haben die Veränderungen, die gesellschaftlich und wirtschaftlich vor der Tür stehen, klar vor Augen und haben diese auch in der Bewerbungsrede angesprochen. Viele Bereiche tangieren auch mein Haus. Hier sind wir – wie in der Vergangenheit – gerne Ansprechpartner für Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für Ihre Tätigkeit als Landrat bringen Sie ein solides Fundament an Kompetenzen und Erfahrungen mit. Vor über 18 Jahren sind Sie in der Kommunalverwaltung bei der Stadt Schwäbisch Gmünd als Beigeordneter gestartet, haben den Platz als Ersten Bürgermeister 2014 eingenommen und dieses Amt begleiteten Sie bis zum Amtsantritt in Aalen. Sie haben in Schwäbisch Gmünd ein umfassendes Aufgabengebiet von Finanzen über Ordnung zu Schule/Bildung und Soziales unter Ihrer Leitung erfolgreich für die Kommune umgesetzt. Ich bin sicher, dass alle Kreisrätinnen und Kreisräte Sie, lieber Herr Dr. Bläse, als neuen Landrat engagiert unterstützen werden. Dies zeigt sich ja auch daran, dass Sie mit großer Mehrheit bereits im ersten Wahlgang mit 64 von 72 Stimmen zum neuen Landrat gewählt wurden. Für das Regierungspräsidium Stuttgart möchte ich Ihnen in jedem Fall unsere Unterstützung zusagen und eine gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit anbieten, auf die ich mich freue.

Nach vielen guten Jahren wird sich die Haushaltslage der Kommunen und Kreise coronabedingt eintrüben. Im geltenden Haushaltsrecht sind die Kommunen verpflichtet, angesichts sinkender Einnahmen Nachtragshaushalte und Konsolidierungsmaßnahmen zu beschließen. Nicht alle Kommunen müssen coronabedingt einen Nachtrag machen. Mit Blick auf die angekündigten Hilfestellungen durch Bund und Land bleibt es nun auch vorausschauend abzuwarten, wie viele Nachträge überhaupt erforderlich sind. Ich warne vor Schnellschüssen und Panikmache. Wir haben derzeit eine große Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. In der Autoindustrie und damit bei vielen Zulieferfirmen findet ein tiefgreifender Wandel statt. Konzerne und Mittelständler verändern sich – und es ist von großer Bedeutung, dass Jobs gesichert und weiterentwickelt werden. Umso wichtiger ist es, dass die öffentliche Hand in der Krise weiter investiert, vor allem bei den Pflichtaufgaben. Immerhin tätigen die Kommunen etwa zwei Drittel aller öffentlichen Investitionen.
Die Zukunftsthemen des Landkreises wie etwa eine nachhaltige und vielfältige Mobilität, bezahlbare, vielfältige Wohnräume, die Klinik-Entwicklung und deren Finanzen sowie effektive Umwelt- und Klimaschutzprogramme in den verschiedenen Themenfeldern werden Sie sicher im Fokus haben und zur Chefsache machen. Ich bin überzeugt, dass Sie sich außerdem weiter für eine moderne Landkreisverwaltung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger einsetzen und ein verlässlicher Partner für die Städte und Gemeinden auf der Ostalb sein werden.

Ich möchte noch ein paar ausgewählte Themen herausgreifen, die für Wirtschaft und Bevölkerung gleichermaßen wichtig sind:

Verkehrsinfrastruktur und "Mobilitätspakt"
Insbesondere in ländlichen Regionen wie dem Ostalbkreis ist die Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur sehr bedeutsam. Die langfristige Zukunfts- und Konkurrenzfähigkeit hängt dabei entscheidend von einer attraktiven und gut funktionierenden Verkehrsinfrastruktur ab. Ein wichtiges Projekt für den Ostalbkreis und die Entwicklung der Mobilität ist der "Mobilitätspakt", der Mobilitätsfragen themenübergreifend betrachtet. Öffentlicher Verkehre wie Auto, Schiene, Bus, Rad- und Fußverkehr stehen hier nicht gegeneinander, sondern ergänzen sich. Und dies ist unverzichtbar.
Ich möchte auch wichtige Maßnahmen im Straßenbau heute nicht vernachlässigen. Zunächst eine erfreuliche Botschaft zur Stärkung der Achse der B 29: Noch in diesem Jahr wird mit dem Ausbau zwischen Essingen und Aalen die vierstreifige Umfahrung von Mögglingen fortgeführt. Gleichzeitig werden wir mit dem Bau der Umfahrung von Ebnat beginnen. Für die Strecke zwischen Mögglingen und Schwäbisch Gmünd planen wir derzeit einen vierstreifigen Ausbau. Die Raumschaft wartet auch auf eine Entscheidung zum gewünschten Tunnel im Bereich der Ortslage von Böbingen. Das Land hat den Tunnel dem Bund bereits als Vorzugsvariante vorgeschlagen.

Berufliche Bildung
In Ihrer bisherigen Funktion waren Sie, lieber Herr Dr. Bläse, maßgeblich dafür verantwortlich, dass Schwäbisch Gmünd als Schulträger eine wirkliche Bildungs- und Schulstadt geblieben ist. Jetzt sind Sie für die Beruflichen Schulen zuständig, die das Rückgrat der Wirtschaft sind und zur Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen beitragen.

Biodiversität
Wir Menschen brauchen die Natur – und die Natur braucht Rückzugsräume und Ruhezonen. Der Einsatz für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt ist eine zentrale gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir haben seit wenigen Wochen ein neues und deutschlandweit einzigartiges Biodiversitätsstärkungsgesetz. Es reicht jedoch nicht, ein gutes Gesetz zu verabschieden. Wir müssen uns alle für die Natur und den Klimaschutz engagieren. Es ist eine Herkulesaufgabe, den vielfältigen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Gewerbeentwicklung und ausreichender Wohnraum sind unverzichtbar, jedoch müssen wir auch den Erhalt und Schutz einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft im Auge behalten. Dazu sind neue Ideen gefragt, gerade beim flächensparenden Bauen sowie bei einem starken, funktionierenden ÖPNV. Wir müssen verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umgehen, denn sie sind endlich.
Wir sehen gerade verstärkt durch die Trockenheit in den letzten Jahren, wie es um unsere Wälder bestellt ist. Der Klimawandel ist leider auch vor unserer Haustür angekommen. Diese Situation dürfen wir bei allen Entscheidungen, die wir treffen, nicht außer Acht lassen – auch nicht in der aktuellen Coronalage. Daher appelliere ich an alle Entscheidungsträger den Umwelt- und Klimaschutz stets mitzudenken und an zukunftsweisenden und nachhaltigen Lösungen zu arbeiten – für uns, für unsere Kinder und für unsere Enkel.
Ziel für die Zukunft aller Landkreise muss es sein, weiterhin erfolgreich Projekte umzusetzen und ein offeneres Ohr für die Belange der Bürgerinnen und Bürger zu haben. Zuzuhören ist heute wichtiger denn je.

Als Landrat haben Sie eine Schlüsselposition, den Landkreis in eine gute und erfolgreiche Zukunft zu führen. Herr Dr. Bläse, Sie haben es in Ihrer Bewerbungsrede selbst gesagt, Sie stehen bereit als Landrat Verantwortung für den Ostalbkreis und für die Menschen, die hier leben, zu übernehmen. Diese Aufgabe werden Sie, da bin ich mir sicher, gemeinsam mit den Kreisrätinnen und Kreisräten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Bürgerinnen und Bürgern aktiv und nachhaltig im Interesse des Landkreises gestalten.

Lieber Herr Dr. Bläse, ich wünsche Ihnen für Ihre erste Amtszeit im Namen der Landesregierung von Herzen alles Gute und bei der Ausübung Ihres Amtes viel Erfolg und Freude, Kreativität und Tatkraft sowie engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Ihrer Seite.“

Anschließend vereidigte und verpflichtete der Regierungspräsident Landrat Dr. Joachim Bläse vor den Gästen, die sich erhoben hatten, entsprechend den Vorschriften der Landkreisordnung.

Nach einem temperamentvollen Einsatz der Percussion-Gruppe der Musikschule Waldstetten, die u. a. den "Säbeltanz“ darbot, sprach der Aalener Oberbürgermeister Thilo Rentschler für die kommunale Familie. Namens der 42 Städte und Gemeinden gratulierte Rentschler herzlich und nannte als “Rezeptur für eine erfolgreiche Tätigkeit als Landrat“ Bläses langjährige Tätigkeit als Bürgermeister, den Respekt vor anstehenden Herausforderungen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Akteuren. "Ihr Verhältnis zur Kreisumlage wird sich ab heute mutmaßlich ändern“, sagte Rentschler augenzwinkernd. Was sich nicht ändern werde, sei im Amt des Landrats die 7-Tage-Woche, die Umtriebigkeit und die Lust, Kommunalpolitik in einem Flächenlandkreis mit 42 selbstbewussten Städten und Gemeinden zu gestalten unter Beibehaltung der Innovationskraft des Kreises. Der Aalener Oberbürgermeister endete mit einem herzlichen "Glück auf!“ für die erste Amtszeit von Dr. Bläse.

Stellvertretend für die Kirchen im Ostalbkreis betonte Dekanin Ursula Richter die freundliche, zuversichtliche Art, die Tatkraft und Herzenswärme Bläses. Ähnlich den 70 Menschen, die Gott Moses zur Unterstützung an die Seite gestellt hatte, zog sie verschmitzt eine Parallele zum den rund 70 Kreisrätinnen und Kreisräten, die den neuen Landrat mit Rat und Tat und Ideen unterstützen. Als gebürtige Aalener und jetzt Gmünder Dekanin sagte sie: Man kann im jeweils anderen Teil des Kreises gut leben und gelitten werden!“ Getreu dem Motto der Staufersaga "Groß Werk braucht Einigkeit!“ betonte sie die Notwendigkeit von Diskurs und Dialog, um mit Stil und gegenseitigem Respekt zu einem guten Ergebnis zu kommen. Dem Teamplayer mit Überzeugung Bläse wünschte Sie namens der Kirchen für die anstehenden Aufgaben Gottes Segen und überreichte eine Biografie von Dietrich Bonhoeffer


Dem neuen Landrat Dr. Joachim Bläse blieb das Schlusswort vorbehalten. Er dankte allen Gästen, die durch ihre Anwesenheit nicht nur ihm selbst, sondern auch dem Ostalbkreis ihre Wertschätzung ausdrückten. Gleichzeitig betonte er die Verbundenheit der kommunalen Seite mit Bund und Land. Ein Dankeschön ging an Landrat a. D. Klaus Pavel für die Begleitung bei der Amtsübernahme und die Vermittlung von vielfältigen Kontakten bei Unternehmen, Schulen, Wohlfahrtsverbänden und vielen mehr. Bläse bedankte sich bei seinem bisherigen Team im Dezernat III der Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd, ohne das er nicht so erfolgreich hätte agieren können. Dank ging an seine Frau, seine Kinder, Eltern und an den Bruder dafür, "dass ich Familie erleben darf!". Bläse dankte den Musizierenden und allen Rednerinnen und Redner des Abends sowie seinem neuen Team im Landratsamt , wo er sich gut aufgenommen gefühlt habe. Und schließlich stellte er auch sein 10-Punkte-Programm für die nächsten Monate und Jahre stichpunktartig vor:

1.Wirtschaftliche Stellung halten, Arbeitsplätze sichern
2. Bevölkerungs- und Gesundheitsschutz ausbauen, Corona "beherrschen“
3. Zukunfts- und wettbewerbsfähige Kreisweite kommunale Infrastruktur schaffen
4. Mobilität neu denken sowie Maßnahmen umsetzen
5. Klinikstruktur und ärztliche Versorgung als Teile eines funktionierenden Gesundheitssystem zukunftssicher und nachhaltig gestalten
6. Klimaschutzziele 2030 unterstützen und aktiv als Kreis zur Erreichung der Ziele beitragen sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung etablieren
7. Sauberkeit und Sicherheit als wesentliche Bestandteile einer funktionierenden Gemeinschaft/Gesellschaft durch den Kreis unterstützen
8. Soziales und Miteinander bzw. Gemeinschaft weiter entwickeln
9. Finanzen stabil halten
10. Marketing und Kommunikation ausbauen

"Am Ende möchte ich meine innere Einstellung, meine Haltung deutlich machen: Ich möchte im europäischen Geist wirken und glaube an eine offenen Gesellschaft und an ein Europa als Garant für Frieden und Freiheit, aber auch an eine europäische Verantwortung. Das gilt auch in der Flüchtlingsfrage: Wir werden uns nicht wegducken! Wir dürfen nicht die Demokratiemüdigkeit fördern, sondern wir müssen vielmehr stolz sein auf das, was wir in den letzten über 70 Jahren erreicht haben: Es ist kein Platz für Rassismus, Antisemitismus, Rechtspopulisten oder Fremdenfeindlichkeit und die Benachteiligung von Frauen!“ Dafür zollten die Gäste langanhaltenden Applaus.

Mit dem Walzer "Hereinspaziert", der vom Gmünder Kurorchester intoniert wurde, und dem Eintrag ins Goldene Buch des Ostalbkreises klang die Feier aus.