Der Kreisseniorenrat besichtigt eine barrierefreie Musterwohnung in Stuttgart

Der Einladung des Kreisseniorenrates Ostalb zu einer teilnehmerbegrenzten Besichtigung der barrierefreien Musterwohnung am 6. Juni 2018 in Stuttgart folgten 20 seiner Mitglieder.

Die Zugfahrt bot den Teilnehmern dann Gelegenheit sich und ihre verschiedenen Organisationen gegenseitig bekannt zu machen, da die Gruppe aus Aalen im stehengebliebenen Zug in Mögglingen und die Gmünder auf dem Bahnhof eine volle Stunde bei sommerlichen Temperaturen auf den nächsten fahrplanmäßigen Zug warten mussten.
Etwas verspätet kam die Gruppe am Ziel an, der Werkstatt Wohnen des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS). In der Musterwohnung werden Produkte und bauliche Lösungen gezeigt, die den häuslichen Alltag von älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen erleichtern. Interessierte können sich in dieser Wohnung die verschiedensten Hilfsmittel ansehen, ausprobieren und sich beraten lassen.
Auf mehreren Sitzungen hat sich der Vorstand des Kreisseniorenrates mit dem Thema Wohnberatung befasst, das schließlich auch zu einer Aufgabe im Landratsamt wurde. So entstand die Idee zur Besichtigungsfahrt nach Stuttgart, die dann von Rebecca Waldenmeier vom Dezernat V des Landratsamtes geplant und organisiert wurde.
In Stuttgart liegt die Wohnberatung in der Hand vom Deutschen Roten Kreuz und von ehrenamtlichen Wohnberatern. Eine Beratung vor Ort ist kostenfrei. Nach jeder Beratung wird ein Bericht mit möglichen und wünschenswerten Veränderungen in der jeweiligen Wohnsituation erstellt, die der Ratsuchende dann angehen kann. Die Empfehlungen werden ohne Preisangaben gegeben, da die Kosten von den jeweiligen Ausführungen abhängig und sehr unterschiedlich sein werden.
Die Teilnehmer der Besuchsfahrt wurden in der Musterwohnung von den DRK-Wohnberaterinnen Frau Schwarz und Frau Gohla empfangen. Nach einer kurzen allgemeinen Information führten die Damen die Gruppe aufgeteilt über zwei Stunden lang mit ausführlichen Erläuterungen durch die Musterwohnung.
Die Führung begann wie bei jeder Beratung im Außen- und Zugangsbereich zur Wohnung: Treppen sind Gefahrenquelle Nummer 1; daher sollte und kann man bei ihrer Ausführung bereits die verschiedensten Dinge beachten. Handläufe sind notwenige Bestandteile. Rampen für Rollstuhlfahrer dürfen höchstens 6% Steigung aufweisen, damit sie noch mit eigener Kraft bewältigt werden können; die Rampe muss nach einer bestimmten Länge auch Platz für eine Richtungsänderung aufweisen. Schon hier wird deutlich, dass eine Wohnberatung ein handfestes Ausbildungs- und Erfahrungswissen erfordert.
Weiter geht es dann in den Nasszellenbereich: Rutschfester Bodenbelag, Haltegriffe und Haltestangen an den Wänden, notwendiger Platz für Rollstuhlfahrer, in der Höhe verstellbare Toilettentische, Wannensitzlift, u.v.m. Die in ihrer Vielfalt und Ausführung vorhandenen Hilfsmittel lassen beim Besucher eine Vorstellung über die anfallenden Kosten einer wünschenswerten und sinnvollen Wohnungsanpassung entstehen.
Schließlich beeindrucken dann auch noch die kreativen und pfiffigen Möglichkeiten im Küchen- und Schlafzimmerbereich für ein behindertengerechtes Wohnen. Die zum Teil aufwändigen Einrichtungen rechnen sich eigentlich nur, wenn die Bewohner noch jünger sind und sie die Wohnung noch etliche Jahre nutzen dürfen. Am besten ist es, wenn die Planung bereits beim Einzug in die Wohnung beginnen kann.
Am Ende der Führung bedanken sich die Teilnehmer bei den beiden Damen beeindruckt von den vielfältigen Möglichkeiten und Angeboten der Industrie, das Leben von älteren Menschen oder Behinderten durch technische Hilfsmittel und Maßnahmen zu erleichtern und ihnen damit ein selbstständiges Wohnen überhaupt erst zu ermöglichen. Um Vieles nutzen zu können, ist jedoch einmal der verfügbare Wohnraum und dann der entsprechende Geldbeutel vonnöten. Nur ausgebildete Wohnberater können und werden den Betroffenen eine finanzierbare, kostengünstige und sinnvolle Lösung bei der Einrichtung ihrer Wohnumgebung verantwortungsvoll anraten.
Müde und informationsgeschwängert tritt die Gruppe mit dem Wunsch die Heimfahrt an, dass Kreisseniorenrat und Landratsamt für die Errichtung einer kreisweiten Wohnberatung am Ball bleiben mögen. Einen ausführlichen empfehlenswerten, virtuellen Rundgang durch die Musterwohnung kann jedermann im Internet über den Link https://www.kvjs.de/soziales/werkstatt-wohnen unternehmen.