Verwaltung für ALLE

Die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen des Landratsamts, Petra Pachner, hat bei der Landkreisverwaltung das Projekt "Verwaltung für ALLE" initiiert. Ziele dieses Projekts sind der Abbau von baulichen Barrieren in den Dienststellen des Landratsamts, die Vereinfachung der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern und des Zugangs zum Internet sowie die Ausbildung von Inklusionsbegleitern innerhalb der Kreisverwaltung. Für Landrat Klaus Pavel ist die inklusionsorientierte Verwaltung ein wichtiges Thema, weshalb die Behindertenbeauftragte organisatorisch zu seinem persönlichen Mitarbeiterstab gehört.

"Im Rahmen dieses auf längere Zeit angelegten Projekts soll die Behörde Schritt für Schritt barrierefrei werden - sowohl in baulicher, wie auch in kommunikativer Hinsicht", erklärt Petra Pachner, "Ziel ist, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen die Leistungen der Verwaltung in vollem Umfang nutzen können."

Vier Bausteine sind Teil des Gesamtkonzepts, die derzeit schon in die Tat umgesetzt werden. So wurde von Pachner inzwischen ein Team von Inklusionsbeauftragten aus den Geschäftsbereichen der Landkreisverwaltung ins Leben gerufen. Die Inklusionsbeauftragten fungieren als Ansprechpartner und Impulsgeber bei der Umsetzung des Themas Inklusion und sind Wissensvermittler über die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung. "Unsere Inklusionsbeauftragten sollen Multiplikatoren für neue Ideen sein und den Gedanken der Inklusion in unsere Verwaltung hineintragen. Deshalb führen wir für sie Sensibilisierungsschulungen durch, wie etwa zum Thema Gehörlosigkeit", sagt die Behindertenbeauftragte.

Außerdem wurde ein Kompetenzteam gegründet, das Begehungen in Gebäuden der Landkreisverwaltung durchgeführt und auf Barrierefreiheit getestet hat. Das Kompetenzteam besteht aus Mitgliedern, die selbst unterschiedlichste Behinderungen, wie z.B. Seh-, Hör- oder Mobilitätbehinderung haben, und sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen engagieren. Begehungen zur Überprüfung von z.B. Bushaltestellen oder Schulen in Gemeinden auf Barrierefreiheit sind weitere Aufgaben dieses Teams.

"Wir konnten erreichen, dass die Zugangstüren am Haupteingang des Aalener Landratsamts und in die Kfz-Zulassungsstelle umgebaut wurden und nun barrierefrei sind. So wurden etwa an den Flügeltüren des Zugangs zur Stuttgarter Straße Taster für Rollstuhlfahrer angebracht. Auch die Außenanlagen vor dem Haupteingang und der Weg entlang des Kochers wurden barrierefrei umgestaltet und mit einem taktilen Blindenleitsystem versehen", freut sich die Behindertenbeauftragte. Bei der Sanierung der Fahrbahn- und Stellplatzflächen, die im kommenden Jahr erfolgen soll, wird ebenfalls auf die Belange behinderter Menschen geachtet.

Auch die Kommunikation mit der Landkreisverwaltung soll einfacher werden, sei es beim persönlichen Kontakt oder beim schriftlichen Austausch. "Behördenbriefe wirken oft schwer verständlich, unpersönlich und manchmal sogar überheblich. Wir wollen unsere Schreiben für alle Menschen verständlicher machen und so die Grundlage für eine störungsfreie Zusammenarbeit von Behörden und Privatpersonen schaffen", so Pachner. In mehreren Arbeitsgruppensitzungen hat das Team der Inklusionsbeauftragten Schulungen zum Thema "Bürgernahe Sprache" erhalten. Für die Beschäftigen der Kreisverwaltung ist momentan ein "Leitfaden für Bürgernahe Sprache" in der Entwicklung. "Es geht uns darum, ein Bewusstsein für Barrieren zu schaffen, denen Menschen mit Behinderung bei der Kommunikation begegnen. Die Broschüre wird anhand von Richtlinien und anschaulichen Beispielen zeigen, wie Barrieren im konkreten Kontext beseitigt werden können", so Petra Pachner. Ihren eigenen Informationsflyer hat Pachner bereits in sogenannter leichter Sprache erstellt. Zielgruppe sind Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. "Dadurch, dass wir gängige Flyer und mittelfristig auch Formular oder Anschreiben mit hoher Rückfragehäufigkeit etwa aus dem Sozialbereich um Varianten in leichter Sprache ergänzen, wollen wir Bürgerinnen und Bürgern mit Handicaps den Informationszugang zur Verwaltung erleichtern", so Pachner. Auch auf den Internetseiten des Ostalbkreises soll auf die Vereinfachung der Sprache hingewirkt werden. Eine Vorlesefunktion für Sehbehinderte und Blinde sorgt jetzt bereits dafür, dass eine Teilhabe am Online-Geschehen der Kreisverwaltung möglich ist.

Das Engagement von Petra Pachner konzentriert sich jedoch nicht nur auf den Bereich der "Inklusionsorientierten Verwaltung". Die Information der Bürgerschaft zu aktuellen Themen sieht sie ebenfalls als ihre Aufgabe. So gab es eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Fachtag Vielfalt" im Aalener Landratsamt, die sich mit dem "Leben und Wohnen mit Handicap - Wie ich will!?" befasste und Aktuelles zum neuen Bundesteilhabegesetz und zu innovativen Wohnformen bot.

Nach einem Jahr Tätigkeit als Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen sieht sich Pachner auf einem guten Weg, um das Thema Inklusion voranzubringen und in die Gesellschaft zu tragen. "Denn Inklusion ist Prozess und Ziel zugleich und beinhaltet viele Maßnahmen, damit sie gelebt werden kann. Nur gemeinsam schaffen wir es, unsere Umwelt zukünftig so zu gestalten, dass menschliche Verschiedenheit als Normalität verstanden und angenommen wird", so Petra Pachner.

INFO: Mit dem Landes-Behindertengleichstellungsgesetz von 2015 hat das Land Baden-Württemberg als erstes Bundesland die Stadt- und Landkreise verpflichtet, kommunale Behindertenbeauftragte zu bestellen. Die kommunalen Beauftragten auf der Ebene der Stadt- und Landkreise stärken die Partizipation von Menschen mit Behinderungen und sind Botschafter der Inklusion in der Fläche. Die gesetzlich geregelte Unabhängigkeit und Weisungsungebundenheit ist Garant dafür, dass die Inklusionskompetenz in der Fläche nachhaltig gestärkt wird.

In ihrer Funktion als Ombudsfrau bzw. Ombudsmann sind die Beauftragten der Stadt- und Landkreise wichtige Anlaufstellen für Inklusion und gegen Diskriminierung wegen einer Behinderung. Zu den Aufgaben der Behindertenbeauftragten zählt unter anderem, Maßnahmen und Ideen für die Verbesserung der Gleichheit der Menschen in unserer Gesellschaft zu entwickeln und damit zur Umsetzung der Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention beizutragen.