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Teil 4: Qualitätsmanagement in der Altenhilfe

In der stationären Altenhilfe ist das Thema Qualität seit einigen Jahren zu einem Dauerbrenner geworden. Qualität, Qualitätssicherung und auch Qualitätsmanagement sind deshalb schon seit vielen Jahren Schwerpunkte der Arbeit von Leitung und Mitarbeiterstab aller Einrichtungen. Gesetzliche Grundlagen zur Pflegequalitätsentwicklung und deren kontinuierliche Sicherung bilden das Heimgesetz und das Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI).
Zur Sicherung der Qualität ihrer Dienstleistungen sind die Einrichtungen bereits vor der Einführung der Pflegeversicherung etwa durch das Heimgesetz aus dem Jahr 1974 verpflichtet gewesen. Das verstärkte Interesse an der Qualität sozialer Arbeit ist nicht zuletzt auf Gesetzesänderungen in den Sozialgesetzbüchern (SGB) und des Heimgesetzes zurückzuführen, die die Entwicklung von Qualitätsmanagement und Standards vorschreiben.

Pflegequalität hat mit der Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes einen neuen Stellenwert in der Altenpflege erhalten. Nach § 80 SGB XI, Pflegeversicherungsgesetz ist die systematische Sicherung der Pflegequalität für ambulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen einschließlich der Kurzzeitpflege eine gesetzlich geregelte Vorgabe. Das SGB XI macht diesbezüglich detaillierte Vorschriften, die erstmals bundesweit geregelt sind:
Zugelassene Pflegeeinrichtungen müssen sich an den Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung beteiligen und ihre Durchführung durch Dokumente belegen.

Im gesamten Bereich der Altenpflege entstanden Initiativen und Modellvorhaben, die sich mit der Erfassung und Verbesserung der Qualität der Versorgung befassen. Seit dem 1. Januar 2004 müssen alle Pflegeeinrichtungen ein funktionierendes Qualitätssicherungssystem haben und vorlegen können, so will es das Pflege-Qualitätssicherungsgesetz. Ein Qualitätsmanagementsystem standardisiert Leistungen und schafft somit die Voraussetzung, schnell auf neue Anforderungen und Ziele zu reagieren.

Qualität in der Altenpflege wird deutlich an einer Arbeitsweise, die dem derzeitigen allgemeinen anerkannten pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht, die ältere Menschen in ihrem Recht auf Selbstbestimmung und Mitverantwortung einbezieht und bei der die Partner der Pflege mit dem Ergebnis zufrieden sind. Die Pflege wird fachlich kompetent, bedarfsgerecht und wirtschaftlich erbracht.

Bei stationärer Pflege erstreckt sich die Qualitätssicherung neben den allgemeinen Pflegeleistungen auch auf die medizinische Behandlungspflege, die soziale Betreuung, die Leistungen bei Unterkunft und Verpflegung sowie auf die Zusatzleistungen.

Externe und interne Maßnahmen der Qualitätssicherung können sein:
  • die Einrichtung von Qualitätszirkeln,
  • die Einsetzung eines Qualitätsbeauftragten,
  • die Mitwirkung an Qualitätskonferenzen,
  • die Mitwirkung an Assessmentrunden
  • die Entwicklung und Weiterentwicklung von Verfahrensstandards für die Pflege und Versorgung
Methoden der Qualitätssicherung

Externe Qualitätssicherung:
Sie beschreibt die Rahmenbedingungen, die auf Qualität wirken z. B. § 80 SGB XI und das Heimgesetz. Es handelt sich um unterschiedliche Formen von Beratung und Außenkontrolle, in Form von rechtlicher Verpflichtung oder freiwilliger Prüfung.
Es findet ein Qualitätsvergleich zwischen verschiedenen Institutionen statt. So kann man z.B. Häufigkeit und Vorkommen von Dekubitus bei gleicher Klientel der Einrichtung erfassen und vergleichen. Der Vergleich kann jedoch maximal im Sinne eines Benchmarking mit anderen Einrichtungen als Ansporn für Veränderungen dienen, er selbst beinhaltet noch keine Qualitätsverbesserung.

Interne Qualitätssicherung:
Darunter werden alle Aktivitäten des Trägers, der Einrichtung und der Beschäftigten verstanden, welche die Qualität der Leistungserbringung sichern. Jede Einrichtung ist für die Qualität ihrer Leistungen verantwortlich. Die Pflege unterscheidet zwischen zentraler und dezentraler Qualitätssicherung.

Zentrale Qualitätssicherung:
Sie wird von außenstehenden Experten auf der Basis anerkannter Standards geprüft. Es kommen Audits zur Anwendung, dies sind Instrumente, die zur Vorgabe von Qualitätszielen und zur Information über die Zielerreichung eingesetzt werden können.
Qualitätskriterien und Standards werden an zentraler Stelle der Institution, d. h. bei der Pflegedienst- oder Hausleitung festgelegt und gemessen. Der ganze Pflegeprozess wird näher analysiert.
Die Qualitätssicherung findet größtenteils außerhalb des Gesichtsfeldes der Mitarbeiter statt. Qualitätssicherung wird zentral in der Organisation von dafür speziell ausgebildeten Mitarbeiter wie dem Qualitätsbeauftragten oder einem dafür eingesetztem Ausschuss ausgeführt.

Dezentrale Qualitätssicherung:
Sie sieht die Anpassung und Umsetzung von Standards und Kriterien pflegerischer Arbeit und ihre Kontrolle durch die beruflichen Akteure vor Ort selbst vor.
  • Qualitätskriterien werden direkt vor Ort z. B. im Wohnbereich von den Mitarbeitern festgelegt und gemessen,
  • Teilaspekte des Pflegeleistungsprozesses werden betrachtet,
  • die Mitarbeiter, die unmittelbar Pflege leisten, sind im hohen Maße mit der Ausführung in der Qualitätssicherung verbunden,
  • dadurch ist die Reflektion ihrer Arbeit und Haltung sehr gut möglich,
  • Mitarbeiter legen Maßstäbe der Qualität fest.
Sie ist dynamischer als die zentrale Qualitätssicherung, die Pflegenden sind direkt in die Entwicklung, Durchführung und Kontrolle der Qualitätssicherung einbezogen.
Sie entwickeln selbst die Standards und Kriterien, entscheiden, wie diese in der Alltagspraxis zu überprüfen sind und führen die Überprüfung selbst durch.
Eine Möglichkeit zur dezentralen Qualitätssicherung auf Wohnpflegegruppenebene ist die Einrichtung von Qualitätszirkeln innerhalb der Wohnpflegegruppe.

Interview mit Frau Hildegard Bornemann, Seniorenzentrum Haus Edelberg, "Wetzgauer Berg“; Kolomannstr. 49, 73527 Schwäbisch Gmünd, zu diesem Thema:

"Qualität, Qualitätsmanagement - Qualitätssicherung

Für die Erstellung und Durchführung eines guten Qualitätsmanagement ist es erst einmal wichtig zu definieren, was ist in unserer Einrichtung Qualität. Die Erklärung, was Qualität ist, fällt in allen Wirtschaftszweigen schwer.
In Einrichtungen der Altenhilfe, in denen umfangreiche, komplexe Dienstleistungen erbracht werden, fällt die Definition auch nicht leicht. Zum einen versteht man unter Qualität natürlich die Beschaffenheit oder Güte eines Produktes oder einer Dienstleistung. Als andere wichtige Komponente kommt immer noch die subjektive Empfindung des Kunden oder Verbrauchers dazu. Der Eine empfindet ein Produkt bzw. eine Dienstleistung als sehr gut, während ein Anderer die selbe Sache reklamiert bzw. kritisiert.

Für ein gutes Qualitätsmanagement muss deshalb jede Einrichtung als Erstes festlegen: was ist denn bei uns im Hause Qualität?
Hier für müssen alle äußeren Vorgaben wie Gesetze, Vorschriften, hygienische Vorgaben und neueste fachliche Erkenntnisse usw. die entscheidenden Rahmenbedingungen bilden. Wünsche und Anforderungen des Klientels müssen Beachtung finden, und die Wirtschaftlichkeit darf auch nicht außer Acht gelassen werden. Wenn dann klar ist, was bei uns Qualität ist, wird festgelegt mit welchen Mitteln (Struktur-Qualität), über welchen Weg (Prozess-Qualität) erreichen wir unser Ziel (Ergebnis-Qualität), unsere Qualität.

Unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen werden dann Organisations- und Handlungsabläufe standardisiert, schriftlich aufgezeichnet und festgelegt. So werden sie transparent und nachvollziehbar gemacht.

An der Erreichung unserer Qualität arbeiten alle Bereiche der Einrichtung mit. In Pflegeeinrichtungen muss natürlich der Pflege der höchste Stellenwert in der Qualität zukommen. Die hier für erstellten Pflegestandards sind ein wichtiges Werkzeug der Qualitätssicherung. Ein Pflegestandard beschreibt ein professionell, nach neuesten pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen, abgestimmtes Qualitätsniveau pflegerischer Leistung. Durch die so verbindlich festgelegten Richtlinien wird das Wissen und Handeln aller an der Pflege beteiligten Personen auf einen einheitlichen fachlichen Stand gebracht.
Bei der Anwendung der Pflegestandards muss aber trotz aller Normierung die Individualität des Bewohners gewahrt bleiben."