Von der Handzählung zum elektronischen Verkehrsmonitoring - Staatssekretär Rudolf Köberle und Landrat Klaus Pavel präsentieren landesweit neues Erfassungssystem im Aalener Landratsamt

Als ein für ganz Deutschland wegweisendes Projekt für künftige Verkehrszählungen stellten der zuständige Staatssekretär des baden-württembergischen Innenministeriums, Rudolf Köberle, und Landrat Klaus Pavel, Ostalbkreis, am Freitag, 22. Januar 2010 im Aalener Landratsamt das sogenannte Verkehrsmonitoring vor. Das vom Bund als innovatives Pilotvorhaben finanzierte Monitoring wird nach halbjährigen Testphasen im Ostalbkreis sowie den Kreisen Calw und Ravensburg bei der nächsten anstehenden bundesweiten Verkehrszählung ab April 2010 in ganz Baden-Würtemberg zum Einsatz kommen. Leitpfosten mit integrierter Elektronik lösen die Handzählung ab.

Landrat Klaus Pavel bedankte sich eingangs der Präsentation bei Staatssekretär Köberle dafür, dass der Ostalbkreis mit einem Netz von 1.036 km an klassifizierten Straßen als landesweit erster Kreis das neue Verfahren testen konnte. "Mit diesem neuen Vorgehen, dass nicht nur regional sondern auch bundesweit bedeutsam ist, kann die Erfassung der Verkehre künftig viel wirtschaftlicher erfolgen", so Pavel. Köberle betonte, es werde immer wichtiger, objektiv erhobene Zahlen zu den Verkehrsströmen und Umwelteinwirkungen zu haben, die als Grundlage für den Generalverkehrsplan des Landes und den Bundesverkehrswegeplan dienten. Bislang wurden im Turnus von fünf Jahren bundesweit Verkehrszählungen durchgeführt. Dazu wurden bundesweit 45.000 und landesweit 2.300 Zählstellen festgelegt, wobei alle Autobahnen und Bundesstraßen abgedeckt waren. Allerdings wurde nur an einem Drittel aller Landesstraßen gezählt und lediglich an 14 % aller Kreisstraßen. Für jede Zählstelle mussten eine bis zehn Personen eingeteilt werden, die manuell mit Strichlisten den Verkehr - unterteilt in sieben verschiedene Fahrzeugarten - erfassten. "Rund 2,5 Mio. Euro hat diese Art der Erfassung das Land gekostet“, fasste Köberle zusammen und wies darauf hin, dass von der Planung der Zählung, der Zählung selbst und der anschließenden Auswertung in der Regel drei Jahre vergingen, bis für Straßenplaner und Politik verwertbares Zahlenmaterial verfügbar war.

Neue Zeitrechnung durch intelligente Leitpfosten

Ab April, wenn die bundesweite Verkehrszählung anläuft, wird in ganz Baden-Württemberg das neue Verkehrsmonitoring anlaufen. Die Vorarbeiten sind derzeit in allen Landkreisen, die nicht als Pilot beteiligt waren, in vollem Gange. Insgesamt 5.000 Sockel für landesweit 250 mit einem Zählgerät ausgestattete Leitpfosten werden derzeit von den Straßenbaubehörden eingegraben. Im Ostalbkreis sind bereits 191 Zählstellen vorbereitet, wo alternierend sieben Zählgeräte im Dauerbetrieb eingesetzt werden können. Für den Verkehrsteilnehmer unsichtbar sind die Zählgeräte in die Leitpfosten integriert und werden von einem Akku mit dem nötigen Strom versorgt. Jeder dieser Leitpfosten wird selbständig über GPS verortet und sendet die erfassten Verkehrsdaten über einen Server beim Gerätehersteller an den Monitoringserver des Landes. Dort werden die Rohdaten geprüft, ausgewertet und den Planungsbehörden und Kreisen anschließend zur Verfügung gestellt. "Durch diese neue Methode können wir den Verkehr täglich erfassen und auswerten und auch längere Zeiträume und die Nacht abdecken. Anders als bisher kann auch das nachgeordnete Straßennetz lückenlos überwacht werden", erläuterte Köberle die Vorteile. Das Land Nordrhein-Westfalen werde dieses System ab 2011 ebenfalls einsetzen, ergänzte er.

Entwickelt wurde das Verkehrsmonitoring unter der Federführung des Innenministeriums Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Aachener Ingenieurbüro DTV-Verkehrsconsult GmbH und der österreichischen Firma Sierzega. Der Bund hat für dieses innovative Projekt der Verkehrstelematik rund 200.000 Euro als Anschub zur Verfügung gestellt. "Wir rechnen damit, dass wir durch das Verkehrsmonitoring rund ein Drittel günstiger als bisher die Datenerfassung vor Ort durchführen können und dies mit einem hohen fachlichen Mehrwert“, ist sich Martin Pozybill vom Innenministerium sicher. Die bisherigen Erfahrungen im Ostalbkreis im Verlaufe des Pilotverfahrens bestätigen dies, waren doch teils Abweichungen von deutlich über 100 % zwischen manueller Zählung und anschließender Hochrechung bzw. neuer elektronischer Erfassung festzustellen. "Durch dieses System können wir künftig hieb- und stichfest argumentieren und auch auf politischer Ebene mit absolut verlässlichen Zahlen operieren, dies ist die Zählung der Zukunft!", so Ostalb-Landrat Klaus Pavel abschließend.

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